Barbara Etienne informiert

 

Guten Tag, meine Freunde      16.August 2011

Ich grüße die Freunde von Forward Haiti und der Haiti Kinder Hilfe.

Wir melden uns für das Journal für den Monat Juli.

Ganz am Anfang des Monates bekamen wir unsere Zeugnisse: wir wurden in die  nächsthöheren Klassen versetzt, außer Islande, die das vierte Jahr wiederholen muss. Sechs Mädchen mit  offiziellen Prüfungen nach der sechsten und neunten Klasse bekommen ihr Ergebnis später. 

Wir sind froh, dass wir unsere Pläne für die Ferienaktivitäten ohne allzu große Sorgen machen können.

Sieben von uns werden an einem Floristenkurs teilnehmen, der von unserer Betreuerin der praktischen Fächer unserer Schule angeboten wird. Unserer Teilnahme wurde schon zugesagt: die Sträuße, die wir zu präparieren lernten, schmücken nun unser Wohnzimmer und unsere Schlafzimmer.

Die sechs Jüngsten gehen in ein Sommerlager, das von einer recht bekannten Tanzschule organisiert wird. Sie sind stolz zu erzählen und zuhause vorzuführen, was sie dort gelernt haben.

Der Besuch der vier belgischen Jugendlichen Shama, Charlotte, Pierre, Gaëlle und der von Catherine, Adrien, Jean-Pierre und Yves haben unsere Ferien angereichert. Am 14. Juli kamen die drei Jugendlichen mit Cathrine und Adrien am Nachmittag an. Zu viert fuhren wir in einem Bus zum Flughafen, begleitet von den Verantwortlichen, um sie zu begrüßen. Die junge Belgierin Shama war schon seit Anfang des Monates hier und hat uns gut geholfen in Französisch, auch sie fuhr mit zum Flughafen. Schon am nächsten Morgen begannen wir zusammen mit der Arbeit, um unserem Haus ein anderes Aussehen zu geben: die Wände wurden gereinigt und angestrichen.

Einige Tage später, am Fest des Saut-d’Eau (Wasserfall ?) wurde ein Ausflug aus diesem Anlass zu diesem Ort organisiert. Gegen neun Uhr bestiegen wir den Bus. Während der ganzen Fahrt erfüllte unser Singen, Lachen und unsere Freudenrufe den Bus und bestimmten den Ton des Tages. Gegen Mittag kamen wir in Saut-d’Eau an, Rara-Kapellen belebten die Örtlichkeit.

Irgendwo parkte der Bus und wir gingen zu Fuß weiter zum Wasserfall. Damit wir uns nicht verlören, bildeten wir Gruppen. Nach etwa einer Stunde kamen wir an. Unter dem Wasserfall tanzte eine unzählbare Gruppe und sang im Rythmus des Voudou. Wir drängten uns an der Menge vorbei, um zum Wasserfall zu gelangen, wo wir uns zufrieden einem erfrischenden Bad hingaben. Danach ging es wieder nach Hause. Dort angekommen, ging das Feiern weiter, denn unsere Kameradin Jeanveline hatte Geburtstag. Bis zum späten Abend feierten wir mit einem guten Essen, Musik und Tanz.

Am folgenden Tag verliessen uns die belgischen Freunde, um nach Cap Haïtien zu fahren und das Waisenheim von Mapou zu besuchen.

Am 21. mussten wir uns leider von Shama, Cathrine und Adrien verabschieden. Aber am selben Tag konnten wir freudig Jean-Pierre und Yves begrüßen, die bei uns blieben bis zum folgenden Nachmittag. Sie flogen nach Cap-Haitien, wo immer noch die drei belgischen Jugendlichen zu Besuch waren. Guyve-Love, Kerline, Jeanveline, Murielle nutzten die Ferienzeit aus, um ihre Familien  zu besuchen. Sie freuten sich, ihre Heimatstadt wiederzusehen, ihre Eltern oder Großeltern.

Am 2. August kamen Yves, Jean-Pierre und die jungen Belgier zurück. Für den nächsten Tag wurde ein Ausflug zum Meer geplant. Es gab eine kleine Panik, denn parallel dazu wurde für die Insel ein bedrohliches tropisches Wetter vorausgesagt. Am folgenden Morgen haben wir ganz vorsichtig die Strasse nach Montrouis genommen, eine Zone im Norden der Hauptstadt, und den im allgemeinen „Preval“ genannten Strand besucht. Wir fanden das Meer recht ruhig, groß und weit und den schönen mit Sand bedeckten  Strand. Wir badeten und amüsierten uns und vier Stunden später begann es zu regnen. Sofort gingen wir aus dem Wasser, zogen uns um und schon war die Zeit, den Bus zu besteigen. Wir wären noch gerne etwas länger geblieben, aber das Wetter gestattete uns das nicht.

Auf dem Heimweg ergoss sich ein lokaler Regenschauer über die Landschaft, von dem angekündigten Unwetter war nichts zu sehen!  Abends haben wir mit unserem Besuch, der am nächsten Tag den Heimflug nach Belgien antreten musste, noch gefeiert. Jean-Pierre hat uns mit seinen Tanzshows verblüfft. Yves hat am folgenden Morgen die Abtrennungen im Erdgeschoss aufgestellt, die den 6 älteren Mädchen als Schlafraum dienen. Seitdem ziehen wir uns dort zurück und fühlen uns wohl.

Man braucht sicher nicht betonen, liebe Freunde, welche Freude wir empfunden haben in dieser Zeit, die gekennzeichnet war durch verschiedene Unternehmungen, die uns sehr gefielen.

Zu Eurer Information: das war Eure Freundin Barbara Etienne, 22 Jahre.

 

 

 

Einige Gedanken der Vorsitzenden der Haiti Kinder Hilfe e.V.

In unserer Zeit, in der wir so oft mit dem Gefühl leben, wenig Zeit zu haben, ist die Versuchung groß, Ihnen möglichst wenig Text und herzzerreißende Berichte von kleinen, hungernden Kindern zu bieten, denn diese regen den Willen zu spenden erfahrungsgemäß am ehesten an. Wir werden Ihnen immer wieder auch solche Berichte liefern müssen, weil es in Haiti allein gelassene und hungernde Kinder häufig gibt, und weil die Initiativen, die wir unterstützen, immer wieder auch solche Kinder aufnehmen. Aber sobald die Kinder in einem Heim untergebracht sind, hört die spektakuläre Seite der Hilfsmaßnahme auf und es beginnt eine geduldige Erziehungs- und Ausbildungsarbeit, die Eltern und Heimleiter auf der ganzen Welt kennen. Wir bitten Sie, uns nicht nur zu unterstützen, wenn wir Ihnen Herzzerreißendes berichten, sondern auch, wenn wir Ihnen, wie diesmal, hauptsächlich von unseren ganz alltäglichen Sorgen und denen verschiedener Organisationen erzählen, die alle auf Ihre und unsere Hilfe angewiesen sind.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Das haitianische Schulsystem

Das haitianische Schulsystem
École fondamentale
Grundschule
1ère année
2ème
3ème
4ème
5ème
6ème Erste Prüfung: certificat d‘études
7ème
8ème
9ème Zweite Prüfung: Brevet
École secondaire 

Weiterführende Schule
3ème
seconde
Rhéto Erste Abiturprüfung
Philo Zweite Abiturprüfung

Hilfe für Kinder, die bei Verwandten oder anderen Privatpersonen Zuflucht gefunden haben, und einige allgemeine Gedanken

 

Wir treffen einige Mädchen und Jungs, die wir persönlich sprechen wollen, um genauer zu erfahren, warum sie plötzlich auf der Straße gelandet sind oder warum ihre Ausbildung unterbrochen wurde und wie es ihnen jetzt geht. Zwei der Jungs, zwei Brüder, leben bei ihrem Onkel. Wir besuchen sie dort. Wir parken das Auto in einem reichen Villenviertel der Stadt, überqueren ein Flussbett, in dem Ziegen im Müll wühlen. Keine 150 Meter von den schönen, von hohen Mauern umgebenen Grundstücken wohlhabender Haitianer liegt eines der zahlreichen Armenviertel mit engsten Gassen zwischen unverputzten, aus Hohlblocksteinen dürftig hochgezogenen Häuserreihen. Verrostete Betoneisen ragen aus den betonierten Flachdächern. Ein kleines, fensterloses Zimmer mit altem Teppichbodenrest und einem Tisch dient den Jungs als Bleibe. Sie hätten gern eine Matratze. Der ältere von den beiden steht kurz vor dem ersten Abitur. Er ist der beste seiner Klasse und auch noch Klassensprecher. Er bemüht sich sehr und will der beste bleiben. Er möchte Jura studieren „um Menschen zu helfen, denen Unrecht geschehen ist“. Der Onkel arbeitet in einer Bäckerei und verdient kaum genug für seine eigenen acht Kinder. Sehr nett von ihm, dass er sich um die zwei Jungs kümmert. Die „Haiti Kinder Hilfe“ wird sie (und ihn) nicht im Stich lassen.

Ähnliches gilt für mehrere große Mädchen und junge Frauen, die zu uns ins Mädchenheim kommen, um zu sehen, wie sie Schule, bzw. Berufsausbildung abschließen können. Sie schlagen sich sehr tapfer durch.

Da viele der Kinder, die in unserer Obhut sind, schon Jugendliche sind (vier von ihnen machen im
Sommer Abitur), versuchen wir mit ihnen über ihre Zukunft nachzudenken und Pläne für geeignete Ausbildungen zu machen. Es ist eine anspruchsvolle, oft schwierige Arbeit. Viele haben „hohe“ Wünsche: Agronom, Rechtsanwalt oder Ärztin werden… und längst nicht alle haben die Fähigkeiten dazu. Man muss sie zu einer realistischeren Sicht bringen, ohne sie zu entmutigen oder ihnen den Schwung zu nehmen. Dazu kommt, dass es im Moment in Haiti alles andere als einfach ist, jungen Leuten zu einem guten Auskommen zu verhelfen.

Diese Erfahrungen lehren uns, dass Haiti nur über eine Erziehung geholfen werden kann, bei der man konsequent Qualität vor Quantität setzt. Es scheint uns richtig, dass man in extremen Notsituationen natürlich versuchen muss, möglichst vielen Menschen zu helfen. Die „Haiti Kinder Hilfe“ sieht jedoch ihre künftige Aufgabe darin, dass die Kinder und Jugendlichen eine so solide Erziehung und Ausbildung bekommen, dass sie wirklich Gutes im Leben leisten können. Das soll nicht heißen, dass alle ein Universitätsstudium absolvieren sollen. Diese Schlussfolgerung wäre sicherlich falsch. Was Haiti braucht, sind Leute, die wissen, was sie wollen, die auch die Begabung dafür mitbringen und die gelernt haben, wie man Gewolltes in die Tat umsetzt. Wer das Zeug hat zum Handwerker oder zur Handwerkerin, sollte genau das tun können und zwar auf kompetente Weise. Und wer Begabung und Wille hat, ein Studium zu absolvieren, soll dies tun können.

Wir werden auch Wege öffnen, dass jene, die durch die „Haiti Kinder Hilfe“ einen Beruf erlernen konnten oder eine Ausbildung erhielten, der „Haiti Kinder Hilfe“ auch etwas dafür zurückgeben. Wir denken an eine Zeit, die sie der „Haiti Kinder Hilfe“ nach ihrer Berufsausbildung gegen geringe Bezahlung zur Verfügung stellen, dies aber nicht, indem man sie in innerer oder äußerer Abhängigkeit zu halten versucht, sondern klar vertraglich geregelt. Hier ist noch Klärungs- und Organisations- bedarf.

Gespräche mit Leitern anderer Hilfsorganisationen bestätigen uns in dieser Sicht. Nicht wenige Haitianer sind in der Gefahr, den Willen zur Eigeninitiative zu wenig zu entwickeln, weil sie lernen, sich darauf zu verlassen, dass schon irgendeine Hilfsorganisation kommen wird, die sie mit Gewünschtem versorgt. Ein Beispiel: Eine Hilfsorganisation hat haitianischen Fischern zu Fischereibooten verholfen. Eine Haitianerin hat sich daraufhin gedacht, dass diese Fischer sicherlich auch das für diese Tätigkeit nötige Zubehör brauchen werden. Sie hat sich Geld geliehen und ein Geschäft für die entsprechenden Gerätschaften aufgemacht. Niemand kam, niemand kaufte bei ihr ein. Sie erforschte warum: all die Fischer warteten, bis ihnen jemand auch das Zubehör schenken würde! Das sagten sie ihr ganz klar.

Kinderheim und Schule der katholischen Laiengruppe

Projekt in Zusammenarbeit

In Cap Haïtien erwarten uns Soeur Godelieve und Madame Lecomte. Gerade angekommen, besichtigen wir die Gebäude und das ausgedehnte, mehrere Hektar umfassende Gelände. Wir haben Glück, denn schon am nächsten Tag können wir das 15-jährige Bestehen dieser Initiative mitfeiern. 400 Kinder aus dem Waisenheim und aus den Slumvierteln werden hier vom Kindergartenalter bis zur 7. Klasse beschult  Die Schule soll bald aufgestockt werden, so dass die Kinder bis zur 9. Klasse bleiben und einen Schulabschluss erwerben können. Die Klassenräume sind geräumig. Die Lehrer sind hoch motiviert. Leider ist ein in Haiti weit verbreitetes Problem, dass die Lehrer nur für einen Frontal- unterricht ausgebildet werden, der die Eigeninitiative der Schüler viel zu wenig fördert. Madame Lecomte und die Direktorin der Schule, Madame Étienne, versuchen ihr Bestes, um den Lehrern und Lehrerinnen nach und nach vielfältigere Unterrichtsmethoden nahe zu bringen. Ihre Schule hat bei den staatlichen Prüfungen 100% Erfolg.

Zum Projekt gehört ein Kinderheim  mit mittlerweile 106 Kindern vom Babyalter bis zu Jugendlichen. Soeur Godelieve kümmert sich hauptsächlich um die Jüngsten. Ihre Küche ist voll mit Babynahrung, die sie hortet wie einen Schatz, denn immer wieder muss sie Kinder vor zu einseitiger Ernährung retten. Die Geschichten, die sie zu erzählen weiß, aus welchen Umständen Kinder ins Heim gekommen sind, können einem das Herz zerreißen.

 

 

Schwester Godelieve erzählt:

Jakenson hat es schwer : « Ich habe Eltern, einen kleineren Bruder und eine kleine Schwester. Sie leben mit Papa und Mama. Mein Vater hat mich rausgeschmissen!“ Das erlebt er als starke Ablehnung und es wird Zeit dauern, bis er wieder Selbstvertrauen empfindet.

Steve* war ein hungerndes Baby, das man auf dem Bürgersteig gefunden hatte. Als Steve uns gebracht wurde, war er wie ein kleines Tier. Nach Monaten der Pflege und liebevollen Aufmerk-samkeit ist er langsam ein kleiner Junge wie die anderen.

Baby*, dessen Alter man nicht kennt. Er wurde von Nachbarin zu Nachbarin weiter-gereicht. Seine Mutter ist gestorben, als sie ihn gebar. Baby hat nicht einmal einen Namen!

 

Morales ist jetzt 10. Er hat einen zwei Jahre älteren Bruder. Sie haben ihre Mutter sterben sehen und danach sind sie in Port-au-Prince herumgeirrt. Eines Tages sind sie in einen der Gratis-Busse gestiegen, die denjenigen zur Verfügung gestellt wurden, die von Port-au-Prince wegwollten. Sie wussten nicht, wohin die Reise ging und kamen nach Ouanaminthe. Sie kannten da niemanden und niemand kannte sie. Sie sind wieder herumgeirrt, schliefen draußen unter Notunterkünften und aßen, was sie finden konnten. Eines Tages sagte ihm sein Bruder: „ Ich habe es satt, ich will nicht weiter so leben!“ Sie haben sich dicht nebeneinander schlafen gelegt, aber am Morgen, als Morales aufwachte, war sein Bruder nicht mehr da. Da war das Kerlchen ganz allein. Er fing an zu weinen, bat fremde Leute darum, ihn in ihre Familie aufzunehmen. Eine Nonne nahm ihn auf und er lebte einen Monat in deren Gemeinschaft, bis sie ihn uns brachten. Die Traurigkeit liest man in seinen Augen, seine Mutter, sein Bruder ???….

Geht man über die große Wiese des Heims zwischen den im Geviert angeordneten Häusern, in denen die Kinder nach Altersgruppen aufgeteilt leben, fühlt man sich wie in einer Großfamilie. Es ist friedlich. Kinder spielen mit einer Art Murmeln auf der Wiese. Sie sind Profis im Zielen und Schießen mit diesen Murmeln, wobei die Aufgabe darin besteht, mit den Murmeln in eine kleine Erdmulde zu treffen wie beim Golf, nur dass man hier nur Abstände von etwa dreißig bis fünfzig Zentimeter zu überbrücken hat. Hinter einer Reihe von Wohnräumen liegt die Küche, ein Schuppen, in dem für die Heimkinder und die Schüler gekocht wird – auf offenem Holzfeuer. In Riesentöpfen, die jeweils auf drei Steinen stehen, zwischen denen die großen Holzscheite brennen, wird der Reis gekocht und die dazugehörige Sauce. Der Rauch zieht einfach nach oben ab und schlängelt sich um die Dachplatten aus Wellblech herum ins Freie.

Neue Klos werden von einer europäischen Hilfsorganisation finanziert. Sie stehen schon im Rohbau.

Weiter unten im Grundstück liegt der ringsum offene Versammlungsraum, der auch für die Gottesdienste dient. Hier würde die Laiengemeinschaft gerne ein Gemeinschaftshaus bauen, um die nötige kontemplative Umgebung zu schaffen, in der die Mitglieder innerlich durch Gebet und Stille für die schwere Aufgabe des Kinderheims und der Schule auftanken können. Man hat es ja hier in der Regel mit Kindern zu tun, die aus den Slums von Cap Haïtien kommen – keine leichte erzieherische Aufgabe. Man vergisst das leicht, wenn man die im Großen und Ganzen friedliche Stimmung in Heim und Schule erlebt.

Es soll auch ein landwirtschaftlicher Bereich entstehen mit Hühnerstall, Ziegen und einem großen Gemüsegarten. Man kann diesen Teil des geplanten Projekts in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen. Slumkinder haben oft viel zu wenig Anregung, weil sie von der Vielfalt kaum etwas mitbekommen, die sowohl die Kultur des Landes als auch seine Natur zu bieten hat. Verschiedene Tiere samt einem Gemüse- und Blumengarten haben von daher einen enormen erzieherischen Wert.

Hier in diesem Projekt ist in fünfzehn Jahren etwas entstanden, das ein Hoffnungsträger für Haiti ist. Die „Haiti Kinder Hilfe“ beabsichtigt möglicherweise hier verschiedene Einzelprojekte zu unterstützen.

Eine Reihe Patenschaften der Haiti Kinder Hilfe existieren bereits.

Der Verein „Espwa“ (Hoffnung) von Frau Dr. Höfler und die Salesianer in Port-au-Prince

Projekt in Zusammenarbeit

Frau Dr. Höfler ist eine deutsche Ärztin, die nach ihrer Pensionierung beschlossen hat, mit einem kleinen, zur Ambulanz eingerichteten Allrad-Lastwägelchen in manchen Slums von Port-au-Prince (vor allem von Cité Soleil, dem größten Slum der Stadt) Slumkinder und oft auch deren Eltern medizinisch zu versorgen. Sie hat einen eigenen Verein gegründet, arbeitet dabei aber eng mit den Salesianern zusammen, die in Haiti 20 000 Personen beschulen (von der Vorschule bis zu Lehrer-ausbildungen und Alphabetisierungskursen für Erwachsene).    

 

 

 

 

Vier der Schulen stehen in der Nähe von Cité Soleil.  Teil der Ausbildungsaktivitäten der Salesianer sind dabei auch berufliche Fort- und Ausbildung(SchreinerIn, Schlosser, KosmetikerIn, Automechaniker, MaurerIn, KlempnerIn). Tatsächlich sind auch manche Mädchen in Ausbildungen, die bislang eher Männern vorbehalten waren. Frau Dr. Höfler kümmert sich allerdings auch zunehmend um die Fortbildung all der Lehrer bei den Salesianern. Wenn sie, sich ihrer Autorität bewusst, ein wenig zu sehr ins Komman-dieren gerät, reagiert der haitianische Leiter der Salesianer, Pater Zucchi, mit gelassenem Humor. Er schätzt den Schwung von Frau Dr. Höfler, weiß aber auch, dass in Haiti Fortschritte nur Schritt für Schritt und gegen die Schwerkraft der Gewohnheiten erzielt werden können. Er und Frau Dr. Höfler haben in der letzten Zeit durch das Erdbeben schwere Rückschläge erlebt: fast alle Schul- und Verwaltungsgebäude in Port-au-Prince sind zerstört worden. Die meisten wurden inzwischen in Eigenarbeit der Schüler und Lehrer in Barackenform wieder aufgebaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Haiti Kinder Hilfe“ will Frau Dr. Höfler mit Medikamenten- und Sachspenden unterstützen.

Über Frau Dr. Höfler lernen wir auch Odeline Jouthe Gustave kennen. Sie betreibt eine Initiative, in der sie Jugendlichen aus den Slums relativ unbürokratisch Ausbildungsmöglichkeiten anbietet. Es gibt Jugendliche, die einen geregelten Schulbesuch nicht bewältigen, die aber bei Berufsausbildungen für manuelle Berufe plötzlich einen erstaunlichen Willen aufbringen. Odelines Initiative fängt solche Jugendlichen auf und hilft ihnen, eine Tätigkeit soweit zu erlernen, dass sie später einen Platz im Leben finden können, um sich und eine Familie ernähren zu können. Odeline versucht, sie zu begleiten, bis sie wirklich Fuß gefasst haben im Leben.

Eines der Mädchen aus dem Heim der Haiti Kinder Hilfe wird evtl. hier eine Ausbildung bekommen können, denn es hat die schulischen Voraussetzungen nicht, die nötig wären, um bei offizielleren Ausbildungsstätten unterzukommen.

 

 

 

 

 

Um einen großen Hof sind die verschiedenen Unterrichtsräume und Werkstätten angeordnet. Es ist laut! Die Metallarbeiter klopfen, die Schreiner sägen, die Nähmaschinen rattern… Stolz wird uns ein gerade fertig genähtes Kleid vorgeführt.

Mitten zwischen den Werkstätten: eine Kinderkrippe. Sie gehört auch zum Projekt, denn viele dieser Mädchen haben schon ein Baby.

Nachdem Frau Dr. Höfler ihr „Praxisauto“ am Rand des Hofs geparkt hat, bildet sich rasch eine Schlange und die Sprechstunde fängt an.

Die „Haiti Kinder Hilfe“ wird über Frau Dr. Höfler absprechen, wie eine effektive Hilfe für die Initiative von Odeline aussehen kann.

LYPEDHA – Les yeux des petits enfants d’Haiti

(Les yeux des petits enfants d’Haiti = Die Augen der kleinen Kinder Haitis)

Projekt in Zusammenarbeit

Die Taubertäler Hilfsgemeinschaft wollte ursprünglich Marie-Josée Laguerre unterstützen.
Sie fand dann eine andere Möglichkeit, den Haitianern zu helfen. In einem extrem armen
Stadtviertel von Port-au-Prince haben einige Haitianer den Verein LYPEDHA gegründet, um vor
allem die beim Erdbeben eingestürzte Schule dieses Stadtviertels wieder aufzubauen.
Dank der Unterstützung der Taubertäler Hilfsgemeinschaft steht bereits der Rohbau  der neuen Schule stolz da.
Wir haben uns das Projekt angesehen und mit den Verantwortlichen sowohl von LYPEDHA als auch der Taubertäler Hilfsgemeinschaft gesprochen. Die „Haiti Kinder Hilfe“ wird hier versuchen, Schritt für Schritt mitzuhelfen, den laufenden Schulbetrieb mitzufinanzieren, aber auch Schulmaterialien zu organisieren und nach Haiti zu bringen.

Cassandra raconte

10. 04.2011

Hello les amis,

Je m’appelle Cassandra E., je suis en sixième année fondamentale. Je suis orpheline de mère et sans nouvelle de mon père depuis de nombreuses années. J’ai un frère, il s’appelle Myclave. Nous étions trois dans la famille, le benjamin est décédé lors du séisme du 12 Janvier 2010, dans l’écroulement du foyer où il logeait avec Myclave, qui, lui, s’en est sorti sain et sauf.

Aujourd’hui, je vous écris pour  vous donner des nouvelles concernant le foyer des filles de Haiti Kinder Hilfe.

Nous avons subi à l’école l’examen du troisième contrôle. Pour certains d’entre nous, le résultat n’est pas encore prêt.

Parmi celles qui ont reçu leur bulletin scolaire, deux n’ont pas la moyenne. Elles vont devoir faire beaucoup d’efforts pour réussir l’année scolaire. Il faut dire que nos lacunes étaient importantes et que les moyens mis en oeuvre pour les combler (professeur particulier depuis janvier) ont porté leurs fruits mais…la base n’étant pas acquise…

Nous sommes heureux d’accueillir parmi nous Mammie Thomas et sa famille qui vivent dans l’appartement d’à  côté après la fermeture du camp où ils étaient depuis le séisme. Mammie Thomas nous aide et s’occupe surtout des petits qui ont besoin d’attention. Nous accueillerons dès fin avril aussi avec joie notre camarade Jocelaine qui va sûrement  jouer auprès de nous le rôle de grande sœur (elle est la soeur biologique de Guyve-Love, l’une d’entre nous).

C’était l’anniversaire de notre camarade Nadège le 5 Avril. Nous avons eu le plaisir de fêter avec elle ses onze ans et lui dire tout notre amour. C’était aussi l’anniversaire de Kerline. Elle est née le 12 Avril et moi le 13 Avril. Une petite fête a été organisée le même jour en notre honneur.

Nous avons reçu la visite de la présidente de l’association HKH et de son mari (Claire et Franck) et plus tard celle de Catherine et de sa fille Honorine. Ces visites  nous ont épatées : c’est bien pour nous de voir que nous sommes aimés et bien encadrés. Nous avons chanté, joué pour eux. Avant leur départ, nous leur avons écrit pour leur dire notre reconnaissance, notre joie de les avoir et de pouvoir compter sur eux.

Nous autres, les trois filles membres de la chorale CES de l’église Saint-Louis Roi de France, étions contentes de la prestation de notre chorale à l’église le Dimanche des Rameaux.

Notre camarade Carline qui est malade du cœur, n’allait pas bien. Elle était obligée de garder le lit pendant deux semaines et d’être suivie par un  médecin-cardiologue. Elle prend ses médicaments et se remet tout doucement.

Voici mes chers amis les faits qui  ont marqué notre foyer durant le mois d’Avril.

Si vous désirez communiquer avec moi, écrivez-moi sur ce site, ça me ferait plaisir !

A bientôt

Cassandra

Ein Brief von Cassandra

 

10. 04.2011

Hallo meine Freunde,

Ich heiße Cassandra E. Ich bin im sechsten Schuljahr. Meine Mutter ist verstorben und von meinem Vater habe ich seit vielen Jahren nichts mehr gehört. Ich habe einen Bruder, der Myklave heißt. Wir waren drei Kinder in der Familie. Am 12 Januar 2010 ist der Jüngste während des Erdbebens umgekommen beim Einsturz des Heimes, wo er mit Myklave wohnte. Myklave ist wohlbehalten.

Ich schreibe Ihnen heute, um Nachrichten vom Mädchenheim des Vereins Haiti Kinder Hilfe zu geben.

In der Schule hatten wir die Prüfung der dritten Kontrolle. Für einige von uns ist das Ergebnis noch nicht bekannt.

Zwei von denen, die ihr Zeugnis schon bekamen, haben nicht den Durchschnitt erreicht. Sie müssen sich sehr anstrengen, um das Schuljahr zu schaffen. Man muss sagen,  dass unsere Lücken sehr groß waren und dass die angewandten Mittel,  um unsere Lücken auszugleichen, (seit Januar haben wir einen Nachhilfelehrer),  Erfolg hatten…., aber das Grundwissen ist noch nicht gesichert.

Wir sind sehr froh, unter uns Mammie Thomas und ihre Familie zu haben, die im Haus neben uns wohnen seit der Schließung des Lagers, wo sie seit dem Erdbeben lebten. Mammie Thomas hilft uns und kümmert sich besonders um die Jüngsten, die ein bisschen mehr Achtsamkeit brauchen. Wir werden auch mit Freuden Ende April unsere Freundin Jocelaine empfangen. Sie wird sicher im Heim die Rolle der älteren Schwester spielen (sie ist Guyve-Loves‘ leibliche Schwester; Guyve-Love ist eine von uns).

Am fünften April war der Geburtstag von unserer Freundin Nadège. Wir haben gerne mit ihr ihren elften Geburtstag gefeiert und ihr unsere Liebe gesagt. Da war auch am 12. April Kerlines Geburtstag und meiner am 13 April. Ein kleines Fest wurde zu unseren Ehren am selben Tag organisiert.

Wir hatten Besuch von der Vorsitzenden der Haiti-Kinder-Hilfe Claire und ihrem Mann Frank. Und später den Besuch von Catherine und ihrer Tochter Honorine. Diese Besuche haben uns beeindruckt: es ist gut für uns, zu sehen, dass wir geliebt sind und betreut werden. Wir haben für sie gesungen und gespielt. Wir haben ihnen vor ihrer Abreise geschrieben, um ihnen unsere Dankbarkeit zu sagen, unsere Freude sie zu haben und auf sie zählen zu können.

Wir drei Mädchen, Mitglieder vom Kirchenchor CES in der Kirche Saint-Louis Roi de France waren froh über die Darbietung unseres Chorales in der Kirche am Palmsonntag.

Unserer Heimfreundin Carline, die herzkrank ist, geht es nicht gut.. Sie muss zwei Wochen im Bett bleiben und wird von einem Kardiologen behandelt. Sie nimmt ihre Medikamente und erholt sich langsam.

So, meine Freunde, das sind die bedeutenden Ereignisse in unserem Heim während des Monats April.

Wenn Sie mit mir kommunizieren möchten, schreiben Sie mir bitte auf diese Webseite! Das würde mir gefallen.

Bis bald

Cassandra