Die Schule „Luzia-Academy“ im Armenviertel Carrefour-Aztèque in Port-au-Prince

Luzia21(Juni 2016) Die Haiti Kinder Hilfe unterstützt seit mehreren Jahren die Schule „Luzia-Academy“  im Armenviertel Carrefour-Aztèque in Port-au-Prince durch die Zahlung der Lehrergehälter. Die Schule wurde nach dem Erdbeben im Jahr 2010 von dem Taubertäler Hilfsverein gegründet.

Das Viertel  ist sehr unzugänglich.  Die Wege dahin (man kann nicht von Straßen sprechen) sind irrsinnig steil. Es fahren entweder alte Geländefahrzeuge oder uralte Autos, richtige Wracks, die man bei uns nur auf Schrottplätzen sieht – wenn überhaupt!

Meistens muss man richtig Anlauf nehmen und darf unterwegs nicht halten. Man wäre nicht sicher, weiter bergauf fahren zu können. Es gibt nur ganz wenig solche Fahrzeuge. Es sind die „Reicheren“, die so etwas besitzen. Einige haben Geländemopeds.

Sie sind richtige Akrobaten auf den Dingern! Sonst müssen die Leute, wenn sie in die Stadt wollen, gut eine Stunde hinunter zu Fuß gehen. Auf dem Rückweg, bergauf, dauert es viel länger.

Viele der ohnehin schon armseligen Hütten sind vom Erdbeben im Jahr 2010 zerstört worden. Die Menschen haben kein Geld, um neue zu bauen!

Das sind Hütten, in denen die Kinder mit ihrer Familie leben. Oft bis zu 10 Menschen in einer Hütte. Es ist entsetzlich heiß darin.

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Diese Familie lebt in einer Hütte, die aus Hohlblocksteinen gemauert ist. Es ist also eine der besseren Hütten. Der Boden ist aus gestampfter Erde und das Dach aus Wellblech.

Es gibt aber auch noch Familien, die in improvisierten Zelten aus Planen und Plastikstücken leben.

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Die Eltern dieser Kinder können fast alle nicht lesen  und schreiben.

In den Haushalten gibt es keine Bücher, auch keine Zeitungen, kein Papier, keine Stifte… Deswegen fällt es den Kindern dort viel schwerer als deutschen Kindern, Lesen und Schreiben zu lernen.   Man merkt schon an ihren Zeichnungen, dass sie es nicht gewöhnt sind, einen Stift zu halten. In ihrem Alter würden europäische Kinder viel besser zeichnen!

Wir machen uns das in Europa nicht klar, wie es ein Kind beeinflusst, regelrecht bildet, wenn es ganz früh Buntstifte bekommt, kritzeln darf, wenn es die Eltern lesen sieht, wenn es abends eine Geschichte vorgelesen bekommt usw…

In Haiti wird das Meiste mündlich überliefert. Es hat auch einen Vorteil: die Menschen haben ein viel besseres Gedächtnis! Sie müssen  ja das  Gehörte  behalten. Sie können nicht schnell aufschreiben,   geschweige denn auf einen Bildschirm schauen und schnell etwas „googeln“.

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Die zwei Direktoren der Schule, Michelet Thelumar und  Jones Ismael sind Brüder (hier mit ihrer Familie). Sie leben wie die meisten anderen Familien dieses Armenviertels.

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Die Schule hat eine Küche, in der mittags für alle Schüler eine warme Mahlzeit gekocht wird. Es ist für die meisten die einzige des Tages.

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Kohlköpfe im kleinen Schulgarten

Oft wird Gemüse aus dem kleinen Schulgarten für die mittägliche Schulspeisung gebraucht.

Gegessen wird in den Klassenzimmern, weil kein anderer Raum zur Verfügung ist.

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Man sieht den Kindern an, wie sie sich über das einfache warme Essen freuen!

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Rundbrief Frühjahr 2016

Briefkopf mit FotoLiebe Freunde der Haiti Kinder Hilfe,

wir (Claire und Frank Höfer) waren wie jedes Jahr fünf Wochen in Haiti und wollen Ihnen berichten. Wir haben das Wichtigste aus den vielen Begebenheiten und Erfahrungen ausgewählt, denn alles zu erzählen wäre zu umfangreich. Carline

Carline, die im vorigen Jahr in Deutschland einer schweren Herzoperation unterzogen wurde, haben wir in bester Form angetroffen. Sie muss jetzt eine lebenslange Antikoagulationstherapie haben. Eine amerikanische Organisation betreut sie. Das Mädchen hat schon – zusammen mit ihrer Heim-Freundin Louna, die 2004 eine künstliche Herzklappe bekam– ein Gerät zur Gerinnungsmessung bekommen und eine Schulung mitgemacht. Sie kommen gut zurecht. Ihr Kardiologe ist sehr zufrieden. Carline überlegt jetzt, was für einen Beruf sie ergreifen will. Sie will vielleicht Kindergärtnerin werden. Großer Dank nochmals an alle, die diese lebensrettende Operation ermöglicht haben.

Das Heimleben

Alle Wände wurden noch vor unserer Ankunft von den Heim-Jugendlichen gestrichen. Leider wurde unsere vorher in einer Mail gegebene Anweisung, vor dem Streichen alle Scharten, Risse und Löcher in den Wänden mit Mörtel oder Kitt auszufüllen, nicht befolgt. Die Scharten, Risse und Löcher wurden außerordentlich sorgfältig mit Farbe versehen. Wir sind in Haiti und derartige Feinarbeit ist hier nicht leicht durchzusetzen.

Die Schranktüren in den Zimmern der Jugendlichen waren in schlechtem Zustand. So hat einer der Jugendlichen, der eine Schreinerausbildung macht, neue Sperrholzplatten montiert. Die Jugendlichen können jetzt die Türen in Farben streichen, die sie selbst aussuchen dürfen. Das war eine gut gelungene Aktion. Allerdings muss der Schreinerlehrling noch sehr viel lernen. Aber gut: die Schranktüren sind repariert.

Wasserreservoir Das unterirdische, betonierte Wasserreservoir im Mädchenheim ist leck. Um es reparieren zu können, muss es trocken gelegt werden. So haben wir ein Plastikreservoir gekauft und installiert, das fast 6000 Liter Wasser fasst. So kann das Wasser aus dem Tank kommen, solange das Betonreservoir repariert wird. Danach werden sowohl Tank wie Reservoir befüllt, was der Menge entspricht, die mit den Wasserlastwägen transportiert wird. So sparen wir einige Transportkosten für das Wasser. Die neue Tür

 

Die gegen Diebe sichernde schmiedeeiserne Eingangstür zum Mädchenheim wurde bisher immer nachts umständlich mit einer Kette verschlossen. Außerdem ging sie nach innen auf: beides im Fall von Feuer oder Erdbeben sehr gefährlich. In einer Blitzaktion wurde ein Schmied organisiert, der die Tür samt Schloss so umgeschweißt hat, dass sie jetzt schnell mit einem einfachen Schlüssel aufgesperrt und nach außen aufgemacht werden kann. Der Schlüssel hängt an einem Platz, wo er ohne Umstände für alle Hausbewohnerinnen schnell erreichbar ist.

Ein Chor wurde gegründet und ein Gitarrenlehrer engagiert. Eine deutsche, ehemalige Sängerin hat eine Stiftung gegründet, über die sie Menschen unterstützt, die Musik machen wollen, sich das aber nicht leisten können. Sie war bereit, auch für Haitiihre Stiftung einzusetzen. So haben wir nach einem geeignetenChorleiter und einem Gitarrenlehrer gesucht. Jede Woche finden nun eine Chorprobe und Gitarrenunterricht statt. Wir erhoffen uns, dass das gemeinsame Musikmachen die Freude am harmonischen Zusammenwirken kräftig fördern wird.

Wir haben in den zwei Heimen und der Wohngemeinschaft auch einen Computerkurs angekurbelt. Dafür wurde für ein paar Monate ein Zimmer in einen Informatik-Raum verwandelt. Allerdings musste vorher das Problem der elektrischen Stromschwankungen gelöst werden, die so vieles kaputt machen. In den beiden Heimen dürfen die Computer jetzt nur noch benutzt werden, wenn der Strom aus den Batterien kommt, die von auf dem Dach befindlichen Sonnenpaneelen aufgeladen werden. Sobald auf Stadtstrom umgeschaltet wird, müssen die Computer vom Stromnetz getrennt werden. In der Wohngemeinschaft musste ein anderes System installiert werden, um die Stromschwankungen abzufangen. So steht nun den Jugendlichen die gut organisierte und kontrollierte Möglichkeit zur Verfügung, für Lernzwecke am Computer zu arbeiten.

Sport: Vor allem die Mädchen treiben zu wenig Sport. Im Mädchenheim haben wir deshalb angeregt, dass auf dem Dach eines kleinen Nebengebäudes eine schon vor längerer Zeit gespendete Tischtennisplatte installiert wird. Wir hoffen auch, dass die Anregung, täglich eine halbe Stunde Gymnastik mit den Mädchen zu organisieren, aufgegriffen wird. Im Jungsheim spielen die Jugendlichen  im Garten immer wieder Fußball. Es macht ausgesprochen Spaß, ihnen dabei zuzuschauen. Sie spielen wirklich gut! So musste bis jetzt auf den Gemüsegarten verzichtet werden. Aber es gibt Ideen, wie ein Platz für Fussball und Basketball auf einem freien Gelände gegenüber dem Heim eingerichtet werden könnte. Vielleicht hilft sogar die Gemeinde von Delmas, die wir diesbezüglich kontaktierten.

Einzug in d. WG-1Einzug in d WG-2Türen der Schränke

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Haiti Kinder Hilfe hat eine Regel aufgestellt, dass Jugendliche, die ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben, noch drei Monate im Heim leben können und dann in die Wohngemeinschaft umziehen müssen. Dort können sie noch ein Jahr bleiben, um Arbeit zu finden. Bei vier Jungs stand der Umzug in die Wohngemeinschaft an. So wurden dort einige Arbeiten nötig. Eine neue Kloschüssel musste installiert, die Dusche repariert werden. Da die Wohnung heiß ist (sie liegt direkt unter dem von der Sonne stark aufgeheizten Flachdach des Hauses) wurden drei Ventilatoren angeschafft. Auch einige Türen wurden repariert. Natürlich mussten mehr Betten untergebracht werden. Außerdem musste ein größerer Eisschrank her. Natürlich hat das für alle eine Umstellung mit sich gebracht, die nicht ohne Diskussionen zu bewerkstelligen war. Aber die Neuverteilung ging dann doch sehr gut „über die Bühne“.

Während der Zeit nach Ende ihrer Ausbildung machen die Jugendlichen Praktika oder starten Versuche, sich ein kleines Geschäft aufzubauen. Dadurch fangen sie an, etwas Geld zu verdienen. Sie werden aber von der HKH noch voll versorgt. Wir haben eine Regelung eingeführt, die ihnen helfen soll, sich eine kleine Startsumme ins Leben zu ersparen: Jeder Jugendliche hat ein eigenes Sparbuch bekommen mit 10 $ drauf. Wer Geld verdient und noch im Heim oder in der Wohngemeinschaft lebt, zahlt 80 % des verdienten Geldes auf sein Sparbuch ein. Wer Heim oder Wohngemeinschaft verlässt und sein eigenes, unabhängiges Leben startet, hat so die angesparte Summe zur Verfügung. Die Jugendlichen  haben sehr gut auf diese neue Regel reagiert und einige haben sogar schon zwei Drittel ihres Geburtstagsgeldes auf ihr Sparbuch gebracht (sie bekommen 25 US-Dollar zum Geburtstag).

Einige der Mädchen aus dem Heim, die im Augenblick unterbeschäftigt sind, weil sie auf eine Ausbildungsstelle warten, haben angefangen, regelmäßig in einem Waisenheim der Mutter-Theresa-Schwestern auszuhelfen.

Auch wenn das Leben in den Heimen recht gut läuft, fehlt doch immer wieder eine kompetente Kraft, die den Jugendlichen den Mut zur Eigeninitiative vorlebt und vermittelt. Seit über einem Jahr haben wir einen Antrag bei einer französischen katholischen Organisation (DCC = Délégation Catholique pour la Coopération) laufen, uns einen ehrenamtlich ein oder zwei Jahre in den Heimen arbeitenden Erzieher zu vermitteln. Das Projekt wurde verzögert, weil eine für diese Organisation in Haiti befindliche Person angeschossen worden war. Das hat offenbar Einiges durcheinander gebracht. Jetzt wurde uns aber ein Mann vorgeschlagen,den wir hoffentlich demnächst kennenlernen werden.

Hochzeit AlexandraAlexandra mit KochutensilienEines der im Heim aufgewachsenen Mädchen, Alexandra, hat geheiratet und lebt jetzt mit ihrem Mann zusammen. Sie hat Köchin gelernt und von der HKH die Startausrüstung bekommen: einen Gasherd, Töpfe und Backbleche. Sie will in einem kleinen Erdgeschoßzimmer eine Imbissstube aufmachen. Wir hoffen, dass sie es gut schaffen wird.

Die meisten Jugendlichen gehen seit einem halben Jahr auf eine neue Schule. Wir konnten die Direktorin kennenlernen: eine sehr resolute Dame, die ihre Pappenheimer gut kennt und mit sehr viel Strenge fordert. Das ist nicht einfach für unsere Kids. Aber sie sind letztendlich dankbar dafür, denn sie wissen genau, dass die Haiti Kinder Hilfe für diese Schule nicht nur mehr bezahlt, sondern auch ihre eigenen Chancen erhöht, aus der Armut herauszufinden, die sie von ihren Familien her so gut kennen. Die Durchschnittsnote liegt bei den meisten unserer Jungs und Mädchen nur wenig über 50 (von hundert) Punkten. Dafür, dass die Umstellung gewaltig ist, reicht das aus. Wir haben ihnen gratuliert, um ihnen Mut zu machen. Einer der Jungs war allerdings total entmutigt und wollte aufhören. Er wollte Mechaniker lernen. Wir haben eine Lehrstelle für ihn gefunden. Jetzt blüht er auf.

Damit wären wir beim Thema der Arbeitsbeschaffung: eine unserer Hauptsorgen!

-Jessica hat ihre Ausbildung zur Krankenschwester hervorragend abgeschlossen. Wir sind dabei zu versuchen, ihr die Möglichkeit zu verschaffen, einige Zeit an einem Krankenhaus in Frankreich ein Praktikum absolvieren zu können. Das würde ihre Chancen, in Haiti eine Anstellung zu finden, erheblich verbessern.

-Ezechiel hat seine Schreinerlehre abgeschlossen, die aber völlig unzulänglich ist, um sich als Schreiner verdingen zu können; wir werden ihm eine Praktikumsstelle verschaffen, damit er dazulernen kann.

-Élimise ist fertig mit ihrer Ausbildung als Schneiderin. Sie hat alle Schuluniformen für die Haiti Kinder Hilfe genäht, die wegen der neuen Schule angeschafft werden mussten. Sie hat das hervorragend geschafft. Jetzt macht sie gerade ein Praktikum bei einer Firma und hofft, übernommen zu werden.

Huldas Mangos -Hulda findet trotz ihres guten Abschlusses als Agronomin keine Anstellung. Sie versucht seit über einem Jahr, mit der Trocknung von Mangos (auf den im Heim der Jungs gebauten Solartrocknern) ein Geschäft aufzubauen. Sie packt das sehr gut an, aber die Ware zu verkaufen, ist weniger einfach, als wir uns das vorgestellt haben. Wir hoffen, dass sie die nötige Geduld und Ausdauer aufbringen wird.

-Guyve-Love versucht, sich mit dem Backen von kleinem Gebäck  eine Existenz aufzubauen. Es läuft gut und ist vielversprechend. Sie muss allerdings noch Wege finden, wie sie ohne zu großen Zeitaufwand mehr backen kann.Der Verkauf scheint gut in Gang zu kommen.

Dies sind nur Beispiele. Wir haben noch einige Jugendliche, die mit der Ausbildung fertig sind und für die wir gute Lösungen suchen:Ein Klempner macht ein Praktikum bei dem Handwerker, der viel in den Heimen gearbeitet hat. Zwei Bautechniker werden ab und zu von einem Architekten eingesetzt und lernen immer mehr über erdbebensicheres Bauen. Ein Junge, der Schweißer gelernt hat, hat inzwischen mehrere Praktika gemacht, bei denen er nichts verdiente, sondern „nur“ lernte und übte. Jetzt kennen ihn mehrere Handwerker und bieten ihm immer wieder kleine bezahlte Jobs an….

Bei unserem Aufenthalt in Port-au-Prince trafen wir eine kanadische Lehrerin für die Zeichensprache für Taubstumme. Sie sagte uns, dass es in Haiti völlig an Leuten mangelt, die diese Zeichensprache können. Aber es gibt eine nach St.-Vincent benannte Institution für Behinderte, die eine Ausbildung organisieren will. Wir waren dort. Der haitianische Direktor erschien uns kompetent. Wir haben mit ihm ausgemacht, dass wir Jugendliche aus unseren Heimen anregen werden, diese Ausbildung zu machen. Hier scheint sich eine interessante und realistische Berufsmöglichkeit  aufzutun!

Politisches: Haiti war zur Zeit unserer Reise im Wahlfieber, was in diesem Land regelmäßig zur Überhitzung führt. Bei den damit zusammenhängenden Unruhen gab es mehrere Tote. Berthony, unser Fahrer und Mann für alles, ist allerdings immer so gut informiert, dass er alle Straßen und Viertel von Port-au-Prince, in denen das Risiko bestand, in die Strudel des Volkszorns zu geraten, erfolgreich vermeiden konnte. Die Wahlen wurden immer wieder verschoben; inzwischen ist eine provisorische Regierung benannt, aber die endgültigen Wahlen lassen immer noch auf sich warten. Als wir hörten, dass keiner unserer über 18-jährigen Jugendlichen zur Wahl gegangen war, reagierten wir zunächst empört. Wir haben die gewichtigen Gründe wohl nicht ernst genug genommen: Wähler werden vor den Wahllokalen immer wieder bedroht, erpresst, vertrieben. Der Wahlbetrug scheint für uns schwer vorstellbare Dimensionen anzunehmen. Slumbosse werden von manchen Politikern dafür bezahlt, die Bewohner des von ihnen „kontrollierten“ Slumbezirks zu zwingen, für sie zu wählen etc..

Treffen bei HéroldHerold Toussaint hat uns seinen Versammlungsraum zur Verfügung gestellt, um alle unsere Jugendlichen zusammenzurufen und eine Diskussion über dieses Thema in Gang zu setzen. Prof. Toussaint, der unter anderem an der staatlichen Universität Haitis Soziologie lehrt, hielt eine sehr gute, in das Problem einführende Rede, aus der deutlich wurde, dass Haitianer aufhören müssen, resigniert über die Missstände zu klagen und den Mut finden müssen, am politischen Leben aktiv teilzunehmen. Er erzählte von sich selbst, dass er mehrere Leute gebeten habe, mit ihm zur Wahl zu gehen, da man als Gruppe weniger Bedrohung riskiert. Deutlich wurde aber auch, dass politische Beteiligung in Haiti erhöhte Risikobereitschaft verlangt.

5 WG-JungsEs gäbe noch viel von unseren Jugendlichen zu berichten! Der Platz fehlt und wir wollen hier nur noch eine kleine Geschichte erzählen, die uns sehr berührt hat. Als wir in Haiti ankamen, waren gerade die Weihnachtsferien zu Ende. Wir legen viel Wert darauf, dass die Kinder, die noch Verwandte haben, sie in den Ferien besuchen. Einer der Jungs, ein siezehnjähriger, kam nicht zurück. Wir schickten jemanden in den Slum zu seiner Mutter. Da war er nicht. Wir hörten, dass er sich einer Bande von kleinen Kriminellen angeschlossen hatte. Wir ließen im Slum suchen und ließen ihm ausrichten, dass wir ihn nicht zwingen würden, zurückzukommen, aber dass wir ihn sehen möchten. Er kam. Er wollte nicht wieder ins Heim, weil er vor den Ferien einiges von seinen Kumpeln gestohlen hatte und sich schämte. Als eine Freundin seiner Mutter ihn inmitten seiner Freunde fand und ihm ausrichtete, dass wir ihn sehen wollten, sagten diese jungen Banditen „Wir, wir sind schon verloren! Du, Du hast noch eine Chance, geh zurück ins Heim!“

Waisenheim und Schule der Institution „Notre Dame de la Médaille Miraculeuse“

Seit zwei Jahren gibt es Leute dort, die von der oben schon genannten DCC (Délégation catholique pour la coopération) gestellt werden, eine Person, die die Organisation in der Hand hat, eine andere, die sich in der Leitung der Schule engagiert. Dadurch hat sich einiges sehr verbessert. Die Haiti Kinder Hilfe hat viele Kinder in der Schule, für die sie Paten organisiert hat, so dass die Schulkosten für diese Kinder gesichert sind. Insgesamt ist die finanzielle Situation immer wieder schwierig. Aber das ist für derartige Institutionen meist der normale Zustand. Trotz aller schwierigen Probleme hat sich die Gesamtsituation an Schule und Waisenheim in manchen Bereichen verbessert: es gibt eine gut geordnete Bibliothek; durch die Spenden einer französischen Firma sind einige Gebäude renoviert worden; andere Gebäude sollen durch die Hilfe einer deutschen Hilfsorganisation entstehen. Der OIKOS e.V. (dessen Vorsitzender Frank Höfer ist) bezahlt die Löhne für einige Erzieher, die im Waisenheim die Gesamtsituation der Kinder erheblich verbessert haben. Die Unterstützung der Haiti Kinder Hilfe lässt die OrganisatorInnen von Heim und Schule immer wieder aufatmen. Die Briefe und Zeichnungen der Patenkinder der  Haiti Kinder Hilfe  haben wir sofort  bekommen, was für haitianische Verhältnisse geradezu sensationell ist!

Schüler aus CarrefourAuch die Schule im Armenviertel Carrefour Aztèque haben wir wieder besucht. Die Haiti Kinder Hilfe zahlt an der von der Taubertäler Hilfsgemeinschaft gebauten Schule seit einigen Jahren die Lehrergehälter. Die Schule macht einen guten Eindruck. Wir haben diesmal darum gebeten, nicht mit einem Schulfest empfangen zu werden, sondern den gewöhnlichen Schulalltag sehen zu können. Der Schuldirektor und dessen Bruder haben uns empfangen und durch die verschiedenen Klassenzimmer geführt. Die Stimmung ist gut, auch wenn der Lärmpegel für deutsche Ohren recht hoch ist. Die Kinder sind aufgeweckt, machen einen interessierten und zufriedenen Eindruck. Alle Klassen sind voll belegt. Es gibt auch eine Schulküche mit netten Köchinnen, so dass die Kinder eine warme Tagesmahlzeit bekommen.

ZahnarztpraxisUnd nun noch eine letzte gute Nachricht: Ein Zahnarzt, der in den Ruhestand ging, hatte uns vor einigen Jahren seine gesamte Praxiseinrichtung geschenkt. Wir hatten sie 2012 in einem kleinen Container nach Haiti gebracht und der Cadet-Stiftung Einrichtung und Container geschenkt. Die Cadet-Stiftung ermöglicht seit vielen Jahren auch für ärmere Leute bezahlbare Zahnbehandlungen. Das Gebäude, in dem mehrere Behandlungsräume untergebracht waren, brach beim Erdbeben von 2010 zusammen. So hat die Stiftung Container sehr gut hergerichtet. Es passte also gut. Aber es passierte lange nichts. Bei jeder Reise fragten wir an, aber die Stiftung hatte den Container noch nicht an seinen endgültigen Platz gebracht, nichts aufgebaut und eingerichtet… Fast haben wir schon nicht mehr damit gerechnet, dass diese Praxis wieder in Betrieb genommen werden würde. Wir haben dieses mal, wie immer, bei der Cadet-Stiftung vorbeigeschaut: „Unser“ Container ist jetzt mit zwei  Behandlungsstühlen  installiert  und  in Gebrauch! Wir sind  sehr froh, dass wir dem deutschen Spender der Praxis jetzt endlich noch einmal danken und sagen können: alles funktioniert! Unsere Jugendlichen profitieren auch davon, denn die Haiti Kinder Hilfe schickt sie regelmäßig bei Zahnproblemen zur Cadet-Stiftung, wo sie für vergleichsweise wenig Geld behandelt werden.

Zum Schluss dieses Berichts wollen wir noch einmal an Thomas Schweyer denken, diesen langjährigen, treuen und stetig aktiven Freund der Haiti Kinder Hilfe. Er ist vor wenigen Monaten an einer langjährigen Krankheit gestorben. Jetzt haben wir die Nachricht bekommen, dass er noch über seinen Tod hinaus an die Haiti Kinder Hilfe gedacht und ihr eine größere Summe hinterlassen hat. Thomas, danke! Du kanntest die Situation genau, du wusstest, wieviel Geld für diese Jugendlichen nötig ist. Dein Vermächtnis ist eine große Hilfe. Das ist nicht nur wegen des Geldes wunderbar, denn solche unvergesslichen Zeichen des Vertrauens und der Freundschaft geben uns Hoffnung, sehr viel Hoffnung.

Und das ist vielleicht das Wichtigste in dieser, von so viel Not geplagten Welt.

Trotz dieser Hinterlassenschaft ist es nach wie vor finanziell schwierig! So müssen wir verstärkt darum bitten, von der Haiti Kinder Hilfe überall zu erzählen und uns weiter kräftig zu unterstützen! Schon jetzt: ein großes Dankeschön!

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer und danken Ihnen im Namen all der unterstützten Kinder und Jugendlichen

Viele Jugendliche

 

 

Mit herzlichen Grüßen

Für den Vorstand

 

Claire Höfer,  Monika Hofmann,  Alois Vogg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haiti Hautnah

Ein Bericht über den Besuch von Sonja Wanner (Lehrerin am Gymnasium Gröbenzell)
in Cap Haitien im März 2016

vor dem UnterrichtUnser Patenprojekt mit der haitianischen Schule Notre Dame de la Medaille Miraculeuse in Cap Haitien besteht nun seit 11 Jahren. Die Schule mit etwa 400 Schülern – davon circa 80 Waisenkinder – wird von Madame Leconte seit der Gründung vor mehr als 20 Jahren geleitet.

Unsere Klassen haben dieses Jahr  für 27 Patenkinder insgesamt € 8.716,95 gespendet. Die Beträge für die Versorgung eines Kindes für ein Jahr sind nach 10 Jahren das erste Mal erhöht worden. Nun kostet es € 300, um die Schulgebühr für ein haitianisches Kind und ein warmes Mittagessen für ein Jahr zu bezahlen. Besonders die Kosten für Lebensmittel aufgrund des hohen Dollarkurses (in Haiti wird alles in Dollar abgerechnet) sind stark gestiegen. Einige Klassen – dabei sind besonders die 5. und 9. Klassen hervorzuheben – schafften es, ein eigenes Patenkind zu finanzieren, manche Klassen „teilen“ sich ein Patenkind. Unsere Oberstufe finanziert zwei  haitianische Oberstufenschüler. Kervens und Manlyne werden schon seit vielen Jahren von Gröbenzell unterstützt und haben es geschafft, in eine weiterführende Schule aufgenommen zu werden. Sie sind beide sehr motivierte und fleißige Schüler.

Die Gröbenzeller Klassen bekamen im neuen Jahr Briefe, Zeichnungen und Bilder ihrer Patenkinder. Soweit das übliche Prozedere. Dieses Jahr konnte der Kontakt noch erweitert werde, da ich nach vielen Jahren Abwesenheit die Gelegenheit hatte, Haiti und unsere Patenschule in den Osterferien 2016 zu besuchen.

Collage1Mit einem Packen Briefe und Photos von unseren Klassen stattete ich unserer Patenschule einen Besuch ab und war von der Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde, begeistert. Ich konnte 26 unserer 27 Patenkinder interviewen und ihnen die Briefe und Bilder ihrer Patenklassen übergeben. Die haitianischen Schüler freuten sich unheimlich, Nachricht aus Deutschland zu bekommen. Manche setzten sich noch am gleichen Tag hin und schrieben ihrer Klasse zurück oder malten kreative Bilder. Ich habe diese Briefe gerne mitgenommen und an die Klassen verteilt.

Es gab auch Kinder, deren Patenklasse keinen Brief geschrieben hatte. Die Haitianer waren sehr enttäuscht. Sie haben praktisch keinen Kontakt zur Außenwelt und eine Nachricht aus dem fernen Deutschland ist etwas Besonderes für sie. Die meisten fehlenden Briefe wurden dann nachgeschickt und alles war gut.

In Interviews erzählten die haitianischen Schüler aus ihrem Leben. Die meisten nehmen die Schule sehr ernst, lernen fleißig und machen ihre Hausaufgaben. Die Lernmethoden sind – nach unseren Standards – äußerst altmodisch: es wird auswendig gelernt, wenig Wert auf selbständiges Arbeiten oder kritisches Denken gelegt. Die haitianischen Kinder haben nach der Schularbeit aber nicht frei. Es ist eine Selbstverständlichkeit, im Haushalt zu helfen. Die Kinder sind immer super sauber angezogen, das Waschen der Schuluniformen übernehmen sie selbst, ohne Waschmaschine versteht sich. Auf elektronische Medien können die Kinder in den seltensten Fällen zugreifen. Strom ist sehr teuer und viele Eltern können sich diesen nicht leisten. An unserer Patenschule gibt es jeden Tag 3 Stunden Strom für die wichtigsten Arbeiten. Es ist ein Solarprojekt geplant, die Panele dazu sind sogar schon da, aber jetzt muss Geld aufgetrieben werden, um die teuren Speicherakkus kaufen zu können.

Ein großer Teil der von uns betreuten Patenkinder sind Waisen, die auf dem Schulgelände leben. Ihnen stellte ich keine Fragen zur Familie. Dashka, Stanley oder Stevenson – drei Kinder, die in die Grundschule gehen  und von unseren 5. Klassen versorgt werden – haben keine Eltern. Sie wurden als Babies oder Kleinkinder ausgesetzt oder von der Schulleiterin von der Straße aufgelesen.

Ich konnte auch ein wenig über andere Schicksale erfahren. Da ist z.B. Walkins ( von 8d betreut). Er ist so um die 18, genau weiß das niemand. Er geht in die 7. Klasse, weil er erst vor wenigen Jahren mit der Schule angefangen hat. Er hat in der Hauptstadt Port-Au-Prince gelebt, ging dort nicht in die Schule und als 2010 das Erdbeben kam, flüchtete er aus der zerstörten Stadt in den Norden und wurde von unserer Patenschule aufgenommen, da war er ungefähr 12. Er ist ein eifriger Schüler geworden und hat gestrahlt als er das Photo „seiner“ Klasse in den Händen hielt.

Oder da ist Jenny (betreut von 9c), ein 14-jähriges, stilles Mädchen, dessen Vater sich allein um sie und ihre Schwester kümmert, da die Mutter einfach verschwunden ist. Der Vater ist Nachtwächter und verdient 2 Dollar am Tag, zum Leben eigentlich zu wenig und definitiv zu wenig, um das Schulgeld bezahlen zu können. Ich durfte die Behausung von Jennys Vater kennenlernen. Es ist ein winziger Verschlag mit einer Matratze am Boden und einer kleinen Feuerstelle. Zum Waschen nimmt der Vater einen Eimer mit Wasser, geht hinters Haus und schüttet sich den Eimer über den Kopf. Jenny ist im Augenblick bei Verwandten untergekommen, weil sein Zimmer viel zu klein ist.

Schwester GodlieveSchicksale wie diese lassen mich sehr dankbar sein, dass unsere Schule zumindest einen kleinen Teil dazu beiträgt, dass haitianische Kinder eine Chance im Leben bekommen.

Die Schule ist eine kleine Enklave in einem krisengeschüttelten Land. Die Schulleiterin ist sehr engagiert und hat auch einige junge und kompetente Lehrkräfte mit an Bord, die sie unterstützen. Weitere Unterstützung kommt aus dem Ausland. Im Augenblick befindet sich die belgische Administratorin Oriane für zwei Jahre in Haiti. Sie bemüht sich um Spendengelder, um die vielen noch anstehenden Projekte finanzieren zu können. Es ist eine Krankenstation geplant und die schon oben erwähnte Solaranlage soll in Betrieb genommen werden. Die französische Grundschullehrerin Marie-Elise, für ein Jahr an der Schule, kümmert sich mit Herzblut um die Kleinen.

BibliothekWas zusätzliche Spenden erreichen können, zeigt das sehr schöne Beispiel der neuen Bibliothek an unserer Patenschule. Unser Gymnasium hat letztes Jahr zusätzlich € 1.500 (aus P-Seminaren und Adventsmarkt) gesammelt und die Einrichtung einer Bibliothek finanziert. Diese wird von den haitianischen Kindern sehr gut angenommen, sie sind richtige Leseratten. Es gab sogar im Februar diesen Jahres einen Lesewettbewerb. So können kleine Spenden auch kleine Wunder bewirken.

Ich möchte mich noch einmal bei allen Mitwirkenden und Unterstützern bedanken und mit dem Satz enden, den mir Monsieur Moreau, ein Mitarbeiter in der Schulleitung, mit auf den Weg gegeben hat: „Glauben Sie mir, Ihre Hilfe ist sehr wichtig. Es ist schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die anderen helfen, ohne sie persönlich zu kennen. Mein großer Dank gilt allen Kindern in Deutschland, die unseren Brüdern und Schwestern in Haiti helfen.“

 

 

Tanzen für Kinder in Haiti

Im Penzberger Merkur wurde folgender Artikel am 03. März 2016 veröffentlicht:

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Wir trauern um unseren Freund und langjährigen Unterstützer

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Wir trauern um unseren Freund und langjährigen Unterstützer Herrn Dr. Thomas Schweyer, der am 9. Februar 2016 nach langer schwerer Krankheit gestorben ist.

Thomas war seit vielen Jahren ein treuer Freund und engagiertes Mitglied der Haiti Kinder Hilfe e.V. Als guter Kenner Haiti´s stand er dem gesamten Vorstand der Haiti Kinder Hilfe immer mit Rat und Tat zur Seite. Es war ihm ein großes Anliegen den Schwächsten in unserer Gesellschaft, den Kindern und Jugendlichen, auch in Haiti auf verschiedenste Weise zu helfen.
Bis zuletzt nahm Thomas regen Anteil an unserer Arbeit für die Haiti Kinder Hilfe. Er verstand es auch, viele seiner zahlreichen Freunde zu Spenden für die Haiti Kinder Hilfe zu bewegen.

An dieser Stelle nochmals ein herzliches, großes DANKE. Die Erinnerung an Dich, lieber Thomas, wird in unseren Herzen bleiben.

„Lebe wohl“ lieber Thomas.

Für den Vorstand der Haiti Kinder Hilfe e.V.

Claire Höfer                      Monika Hofmann                           Alois Vogg
Vorsitzende                      stellv. Vorsitzende                        stellv. Vorsitzender

Rosemarie Blume            Robert Heinze                                 Helma Maydl
Schatzmeisterin             Vorstandsmitglied                          Vorstandsmitglied

 

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Haiti-Kinderhilfe informiert am Deutschherren-Gymnasium in Aichach

AZ_15.01.16_DHG

Deutschherren-Gymnasium sammelt 1800 €

AN_14.01.2016_DHG Vortrag

Dankesbrief an alle Spender

Liebe Spender für Carline´s Herz-Operation,

Carline ist nun wieder in Haiti und es geht ihr gut, dank Ihrer Hilfe!

Robert Heinze, ein Mitglied unseres Vorstandes, der Carline nach Haiti zurückbegleitet hat, stellte fest, dass ein deutlicher Unterschied zu sehen ist zwischen dem stark geschwächten Mädchen das krank in Deutschland ankam und der jetzt herzgesunden Carline. Eine Herzklappe wurde durch eine künstliche ersetzt, eine andere „nur gerafft“. Da Carline jetzt diese künstliche Herzklappe hat, benötigt sie allerdings eine lebenslange Antikoagulationstherapie.

Wir haben eine amerikanische Organisation gefunden (Haiti Cardiac Alliance), die in Haiti eine kleine Klinik hat und Carline betreuen wird. Das Mädchen hat schon – zusammen mit ihrer Heim-Freundin Louna, die 2004 ebenfalls in Europa eine künstliche Herzklappe bekam und auch Antigerinnungsmittel nehmen muss – ein Gerät zur Gerinnungsmessung bekommen.  Beide haben auch eine Schulung mitgemacht und werden in der ersten Zeit sehr oft und regelmäßig betreut werden. Auch wird Doktor Mathurin, ihr Kardiologe in Port-au-Prince, sich weiter um sie kümmern.

Und all dies ist möglich dank Ihrer Spenden, denn es sind noch finanzielle Mittel vorhanden, um auch diese Nachsorge zu finanzieren.

Hier also nochmals ganz herzlichen Dank!

Wir wünschen Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2016.

 

Mit herzlichen Grüßen

Für den Vorstand der Haiti Kinder Hilfe e.V.

Claire Höfer                       Monika Hofmann                           Alois Vogg

Vorsitzende                      stellv. Vorsitzende                         stellv. Vorsitzender

 

Dankesbrief von Carline

Lettre de Carline Pierre

Port-au-Prince, den 09.12.2015

Mein Dank an all die Mitglieder des Vorstands von HKH. Meine Herz-Operation ist gelungen. Alles ist gut verlaufen. Alle Ärzte waren sehr nett.

Danke an alle Menschen, die dazu beigetragen haben, dass die Operation stattfand. Ich bin sehr froh darüber. Ein großer Dank an Robert, der die ganze Zeit an meiner Seite war. Es hat mich gefreut, mit dieser Familie zusammen zu sein. Die Familie Robert Heinze wird immer in meinem Herzen sein, weil sie wie Eltern zu mir gewesen sind.

Ich sage vielen Dank für alles, was mir Gutes getan wurde.

Gott segne Euch alle.

Carline Pierre

Carline ist auf dem Weg zurück nach Haiti

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Robert schreibt uns am Mo., 30.11.2015:

Gleich werden wir uns auf den Weg nach Paris machen. Sind zwar nur 550 km – aber angesichts der zu erwartenden Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen wollen wir rechtzeitig am Flughafen sein.

Morgen am 1.12. um 10.05 soll dann Air Caraibes starten. Hoffentlich kriegen wir die Medikamente (insbesondere die flüssigen) in den Flieger. Carline, David und ich haben gepackt. Wobei ich überrascht war, wieviel sich bei Carline angesammelt hat. Aber es wird nichts zurück gelassen. Inklusive Popcorn, Plätzchen, Kuscheltieren,  diversen Pflegeprodukten etc. Und wenn der Klimawandel zuschlägt,  es Frost gibt in Haiti – Carline ist nun Kleidungsmäßig gerüstet.

Heute waren wir zum letzten Mal im Krankenhaus. Ein letzter Test des INR-Wertes. Sie kennt dort mittlerweile jeden Mitarbeiter der Aufnahme und weiß auch sehr genau, wer gut Blut abnehmen kann – und wer weniger. Verabschiedung mit Tschüss und Handschlag einmal rundum. Langsam aber sicher nähern wir uns dem INR-Zielwert. Und am 4.12. sind wir ja in Pierre Payen, Haiti, zur Marcumar Nachsorge angemeldet. Passt sehr gut, da ich Carline versprochen habe, dass wir auf jeden Fall ihre Mutter besuchen. Und ihre Mutter  wohnt in St. Marc. Das liegt dann auf dem Weg.

Es macht Spaß zu sehen, wie gut sich Carline erholt hat und sich auch an unser ungemütliches Wetter gewöhnt hat.

2015-11-28 19.11.45_TWar ihr Zimmer in den ersten Tagen total überhitzt, so stehen jetzt die Fenster offen und es ist fast schon kalt. Und sie hat sich insgesamt toll eingelebt. Sie genießt es lange zu schlafen und weiß auch genau was ihr schmeckt oder nicht.

Dass es jetzt zurück geht- sicherlich sieht sie das mit gemischten Gefühlen. Aber es wird ihr immer klar gewesen sein, dass ihr Aufenthalt in Deutschland zeitlich begrenzt ist. Und ein wenig „mal du pays“ ist immer dabei.

Gestern wurden dann kleine Geschenke verpackt. Und öfter durchgezählt –  so dass keine Kollegin vergessen wird. Gleich gibt es nochmal Sandwich Toast – und dann geht es los.

Auf Wiedersehen Deutschland – bon jour Haiti.

Cordialement (im wahrsten Sinne des Wortes) Carline