Rundbrief Februar 2021

Februar 2021

Liebe Freunde der Haiti Kinder Hilfe,

Es erscheint uns, die wir hier in Europa so dramatisch um das Thema des Covid 19 kreisen, sehr seltsam, dass dieser Virus in Haiti keine größere Rolle zu spielen scheint. Von den vielen Menschen, mit denen wir stetig in Kontakt sind, spricht fast nie jemand das Thema an. Eine teilweise Erklärung scheint darin zu liegen, dass nur 4,5 % der Bevölkerung stark gefährdet sind, weil sie über 65 Jahre alt sind. Die Menschen haben, so wie es aussieht, ganz  andere Probleme. Sie müssen mit der nach wie vor sehr schwierigen politischen Situation fertig werden, deren Folgen für ihren Alltag schwerwiegend sind: Unsicherheit und Gewalt sind fast überall. Entführungen haben rasant zugenommen.

Trotz der politisch angespannten Situation haben einige unserer Jungs ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können und ein unabhängiges Leben anfangen können. Ernson, der Schneider geworden ist, hat in der Werkstatt des Schneidermeisters, bei dem er ein Praktikum gemacht hat, „seine Ecke“ eingerichtet mit den von der HKH bekommenen eigenen Materialien und der eigenen Nähmaschine. Wenn der Meister ihn braucht, beschäftigt er ihn und bezahlt ihm sogar etwas mehr als üblich, weil Ernson auf seiner eigenen Nähmaschine arbeiten kann. Und Ernson kann eigene Aufträge annehmen.

Im Heim sind jetzt noch sechs junge Männer. Zwei studieren Elektromechanik, zwei Automechanik und zwei gehen noch zur Schule. Berthony bewährt sich recht gut als neuer Heimleiter. Nächstes Jahr werden einige Jungs zu „unseren“ Jungs dazustoßen, junge Männer, für die der deutsche Verein „Lebensmission“, der in Gonaïves weiter im Norden Haitis mit seinem Kinderdorf angesiedelt ist, eine Bleibe sucht, weil die jungen Leute in Port-au-Prince studieren werden. Francis, der französische Erzieher, ist bereit, sobald es etwas weniger gefährlich ist, auf eigenes Risiko hin und wieder hinzufahren und Berthony zur Seite zu stehen.

Unsere beiden Heime wurden in neue Trägerschaften überführt. Natürlich verfolgen die neuen Träger dieselben Ziele wie die HKH, nämlich bedürftigen haitianischen Kindern zu helfen, und sie haben sich  verpflichtet, die Heime in diesem Sinn weiter zu nutzen. Das Jungenheim wird – wie bisher – für junge Leute in Schule, Ausbildung oder Studium zur Verfügung stehen. Im ehemaligen Mädchenheim sind kleine Straßenjungs aus dem nahegelegenen Slum Cité Soleil untergebracht.

Die jüngeren, nicht im Heim lebenden „Externen“, die wir versorgen, sind guter Dinge. Berthony schaut auch bei ihnen zuverlässig nach dem rechten.

Das Waisenheim  in Cap Haitien hat die Zahl der Kinder auf 45 reduziert.  Das haitianische Sozialministerium hat fürs ganze Land eine eigentlich ganz gute Maßnahme beschlossen, aber sie wird drastisch und vollkommen undifferenziert durchgesetzt, so dass ungute, sehr schwierige Situationen entstehen: Kinder, die noch eine Rest-Familie haben (eine Oma, einen Onkel…) müssen aus den Heimen zurück in die Familie. So muss z.B. ein kleines Mädchen, dessen Mutter psychisch krank ist, auf der Straße lebt und bettelt, „zurück zur Mutter“! Das Heim  behält aber diese Kinder als „Externe“, betreut sie, zahlt Schule und Lebensmittel… und hat dadurch mehr Arbeit und teilweise mehr Kosten, als wenn die Kinder im Heim wären! Die Schule geht unverändert weiter. Sie hat im Moment 339 Schüler, die aus dem Heim und aus den Armenvierteln kommen, und zählt qualitativ nach wie vor zu den wirklich guten Schulen Haitis. Allen Schülern wird da täglich zusätzlich zum Unterricht eine gute Nachhilfe angeboten, denn zu Hause haben sie keine Hilfe!

Die Zusammenarbeit mit der orthopädischen Klinik „Healing Hands for Haiti“ läuft reibungslos. 16 Kindern wurde im Jahr 2020 durch die Unterstützung der Haiti Kinder Hilfe eine Behandlung ermöglicht, bzw. eine Prothese angepasst.

Wir konnten im Jahr 2020 die Lypedha-Schule der Taubertäler Hilfsgemeinschaft leider nicht besuchen, weil die Fahrt dorthin zu gefährlich war. Aber alles, was wir hören, lässt darauf schließen, dass trotz der großen Einschränkungen, die durch die vielen langen Unterbrechungen des Schuljahres 2019-2020  entstanden, die Schüler ins nächste Schuljahr aufgenommen werden konnten. Den Schülerinnen und Schülern konnten Extra-Kurse während der Ferien angeboten werden, so dass sie einiges an verpasstem Lernstoff nachholen konnten.

Was Schwester Paësie angeht, so fragen wir uns immer wieder, wie sie es schafft, derart vielen Kindern auf verschiedenste Weise zu helfen. Ihre inzwischen 5 Heime (das größte ist in dem Haus des ehemaligen Mädchenheims der HKH untergebracht) platzen aus allen Nähten und beherbergen inzwischen 98 Kinder. Sie haben da nicht nur ein Dach über dem Kopf und ein eigenes Bett – für sie ein unvorstellbarer Luxus, auch wenn in den Schlafsälen die Stockbetten sehr dicht aneinander stehen -, sie bekommen auch 3 Mal am Tag etwas zu essen, werden sorgfältig betreut und gehen zur Schule! Für ca. 1000 Kinder organisiert sie in ihren 9 Schulen in Cité Soleil Unterricht oder Kurse. Ungefähr während neun der zwölf Monate des Jahres  bekommen diese 1000 Kinder auch ein warmes Essen. Nur wenn das Geld nicht reicht, gibt es eine Zeit lang kein Essen!

Wir konnten einen Container mit medizinischem Material und Praxiseinrichtung nach Cap-Haïtien verschicken. Ein Ärzteehepaar aus der Schweiz hatte beim Auflösen seiner Praxis alles geschenkt. Bald wird da also eine gut eingerichtete Praxis zur Verfügung sein, um auch ärmere Menschen qualitativ gut zu versorgen. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie demnächst auf unserer Homepage.

Claire und Frank Höfer werden dieses Jahr nicht nach Haiti fliegen. Zu unsicher und gefährlich ist die Situation dort. Aber die sehr vielen regelmäßigen Kontakte erlauben uns, ein recht genaues Bild von der Situation in den Heimen und bei unseren verschiedenen Partnern zu haben.

Bei der nächsten Mitgliederversammlung wird unsere Vorsitzende, Claire Höfer, nach über 10 Jahren des intensiven Einsatzes aus dem Vorstand ausscheiden. Die Covid-Krise hat ihre berufliche Situation verändert. Claire Höfer hat jetzt ihren Lebensschwerpunkt in Frankreich. Sie wird sich jedoch natürlich weiter für die ärmsten der haitianischen Kinder einsetzen und außerdem noch – wahrscheinlich bis Ende 2023 – die Verantwortung für das Heim „unserer Jungs“ behalten, sodass sie diese bis zum Ende ihrer „HKH-Zeit“ begleiten wird. Die übrigen derzeitigen Vorstandsmitglieder stellen sich wieder zur Wahl, wobei Alois Vogg für den Vorsitz kandidieren wird.  So hoffen wir für die Haiti Kinder Hilfe weiterhin auf einen kompetenten und engagierten Vorstand.

Zusammen mit unseren Partnerorganisationen in Haiti danken wir Ihnen allen herzlich für Ihr Interesse und Ihre treue Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns weiter, damit wir uns auch in diesem neuen Jahr für das Wohl der haitianischen Kinder erfolgreich einsetzen können.

Wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für das nun schon begonnene Jahr.  

Für den Vorstand

Claire Höfer        Monika Hofmann                 Alois Vogg

Haben Sie neue Kontaktdaten oder eine neue E-Mail-Adresse? Lassen Sie es uns wissen! Gerne nehmen wir Änderungswünsche entgegen.

Mitgliederversammlung der Haiti-Kinder-Hilfe

Liebe Mitglieder und Freunde der Haiti-Kinder-Hilfe,

aufgrund der momentanen Corona-Problematik findet die Mitgliederversammlung zu einem späteren Zeitpunkt statt. Das neue Datum wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Bleiben Sie gesund!

Dies wünscht Ihnen/Euch allen die Vorstandschaft der Haiti-Kinder-Hilfe.

Kalender

Leider gibt es für das Jahr 2020 keinen Kalender

Weihnachtsrundbrief 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

November 2019

Liebe Freunde der Haiti Kinder Hilfe,

diesen Weihnachtsbrief müssen wir – leider – mit einem Bericht über die Lage in Haiti beginnen. Medienberichte darüber gab es kaum in Deutschland. Und dabei ist so viel los!

Dem Land Haiti geht es im Moment sehr schlecht. Seit Mitte September hält eine gewaltige Protestwelle im Land an. Regelmäßig finden in der Hauptstadt Port-au-Prince und anderen Städten Massenkundgebungen gegen die Regierung statt. Der Straßenverkehr ist durch Barrikaden lahmgelegt, die meisten Schulen, Ämter, Banken und Geschäfte, sogar die Kirchen  sind geschlossen, die Spitäler kaum mehr funktionsfähig. Oft arten die Proteste in Gewalttätigkeit und Brandschatzung aus, öffentliche Einrichtungen werden verwüstet, Läden geplündert. Haiti ist durch diese  wochenlangen Unruhen weitgehend lahmgelegt. Laut lokalen Menschenrechtsgruppen haben die Unruhen bisher nahezu 100 Tote und rund 200 Verletzte gefordert.

In Haiti herrschen schon unter normalen Umständen Arbeitsmangel und Hunger; 60 Prozent der Bevölkerung leben laut UNO-Statistiken in absoluter Armut, etwa die Hälfte ist unterernährt. Die Stilllegung von Betrieben und die Versorgungskrise als Folgen der Unruhen haben das Elend weiter verschärft. Dazu kommt, dass es heute durch den Treibstoffmangel, die Lähmung des Verkehrs und die Schließung der Märkte den Bauern unmöglich ist, ihre Produktion zu ernten und zu verkaufen, die bereits auf den Feldern zu verrotten beginnt. Die Landbevölkerung leidet also unter der Krise genauso, wie die Stadtbevölkerung, die  ihrerseits die Lebensmittelpreise rasant steigen sieht.

Durch Treibstoffknappheit, Inflation und steigende Preise ist die Verzweiflung der Bevölkerung in den letzten Jahren stetig gewachsen. Was ihren Zorn ins Maßlose steigert ist die chronische Korruption in den politischen Kreisen. Die Wut darüber ist die stärkste Triebkraft der jetzigen Proteste. Der „ Petrocaribe-Skandal“, nach dem zwischen 2 und 4 Milliarden Dollar von Politikern verschiedener Regierungen Haitis  veruntreut wurden, hat das Fass zum Überlaufen gebracht.Dazu kommt, dass die in Haiti stark verwurzelten Banden mit ihren mächtigen gefürchteten Gangchefs die Krise nutzen, um ihre Macht auszudehnen. Die Bevölkerung lebt in Angst um Leib und Leben.

Wie sieht es konkret für „unsere Kinder“, für die von der Haiti Kinder Hilfe unterstützten Projekte aus?

—Alle vier Abiturienten (hier links zu sehen) haben die Prüfung bestanden. Aber die Jungs in unserem Heim haben das Schul- oder Ausbildungsjahr nicht anfangen können. Man weiß nicht, wann die Schulen wieder öffnen werden. Sie sind also die allermeiste Zeit im Heim „eingesperrt“, denn es ist zu gefährlich, auf die Straße zu gehen. Zum Glück hatten wir im Januar schon dafür gesorgt, dass große Lebensmittel- und Trinkwasservorräte angeschafft werden, und Berthony nutzt jede „Gefechtspause“, um neue zu besorgen. Die DCC („Délégation catholique pour la coopération) hat beschlossen, vorläufig keine Volontäre mehr nach Haiti zu vermitteln (zu gefährlich!) und die Hälfte ihrer Volontäre in Haiti zurück in ihre Heimat gebracht. Zum Glück durfte (und wollte) Francis, unser wunderbarer Volontär, bleiben. Er hat das Leben im Heim um viele Aktivitäten herum neu strukturiert, so dass unsere jungen Männer nicht untätig sind und diese Zeit verschiedentlich nutzen können. Wie das Schuljahr im Endeffekt laufen wird, kann noch niemand sagen.

—Im Waisenheim in Cap-Haitien ist die Schule auch geschlossen. Die Lehrer können nicht kommen, denn auch in Cap wie in den meisten Städten des Landes ist es sehr gefährlich sich auf die Straße zu wagen. Auch die Schüler, die von außen kommen, erreichen die Schule nicht. Nur die Waisenkinder sind da und werden von den Erziehern betreut, die zum Glück vor Ort mit ihnen zusammen wohnen. Und es auch glücklicherweise den tollen Obst- und Gemüsegarten und eine gute Anlage, um Trinkwasser zu bereiten.

—Weder die Patienten noch die Ärzte und Krankengymnasten erreichen das  orthopädische Krankenhaus von Healing Hands for Haiti, so dass auch da alles lahmgelegt ist und die Behandlung der Kinder und Jugendlichen, die wir unterstützen, unterbrochen ist. Das Gästehaus von Healing Hands, in dem wir wohnen, wenn wir nach Haiti kommen, hat all seine Gäste nach Hause geschickt. Also sind zur Zeit auch keine ausländischen Ärzte und Kranken-gymnastinnen da.

Eine Mauer einer der Schulen von Schwester Paesie in Cité Soleil wurde neu verputzt. Gleich zwei Tage danach wurde sie von einer Kugel getroffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

—Die LYPEDHA Schule in Carrefour Aztèque ist wie die meisten in Haiti derzeit geschlossen. Der Schulweg für die Kinder und die Lehrer ist zu gefährlich. Die Schule war nur die ersten beiden Wochen nach Schulbeginn im September offen. Alle wollen, sobald Schulbetrieb wieder möglich ist, mit vermehrter Anstrengung versuchen, den Rückstand durch zusätzliche Unterrichtsangebote auszugleichen.

Auch wenn die Schule derzeit nicht von Kindern belebt ist, wird zeitweise Wasser aus der schuleigenen Zisterne an die Bevölkerung abgegeben.

Das Stadtviertel Carrefour und damit der Weg in den Süden Haitis ist mitunter nur schwer oder gar nicht zu erreichen, weil man durch ein sehr gefährliches Viertel, Martissant, muss.

—Schwester Paésie, die unser ehemaliges Mädchenheim in ein Heim für Straßenjungs verwandelt hat, arbeitet unverzagt weiter. Sie hat jetzt 8 kleine Schulen in dem Riesenslum von Cité Soleil. Erstaunlicherweise sind sieben davon die ganze Zeit seit Schuljahresanfang offen. Vielleicht die einzigen in Haiti! Das kommt daher, dass sie mitten im Slum sind und die Unruhen ausnahmsweise mal nicht in diesem Viertel wüten, sondern im Gegenteil in all den anderen Vierteln, die die Aufständischen lahmlegen wollen. Sie hatte Anfang September nicht genug Geld, um die Lehrer zu bezahlen und fragte sich, wie sie es machen könnte, doch am Schuljahresanfang alle Schulen zu öffnen. Die HKH bekam gerade zu dieser Zeit eine großzügige zweckgebundene Spende für sie, die ihr für viele Monate die Gehälter sicherte.  Ein kleines Wunder!

Den ehemaligen Straßenjungen geht es gut. In unserem ehemaligen Mädchenheim sind es 24, in zwei kleineren Häusern  noch 21 und ein Heim für Mädchen will Schwester Paesie  vor Ende des Jahres noch eröffnen, denn es gibt auch Mädchen auf der Straße!. Wie alle Kinder sind die Jungs seit Schuljahresanfang “eingesperrt” und können nicht zur Schule (sie gehen auf eine „normale“ Schule in ihrem Viertel ).Aber die Schwestern kümmern sich sehr gut um sie und es ist ein Segen, dass ein kleiner Garten da ist, in dem sie spielen können. Sie benutzen Reste von Hohlblocksteinen wie einen Baukasten. Hier haben sie ein Hotel gebaut.

 

 

Auch wenn die Situation in Haiti schlimm ist oder sogar deswegen, ist es sehr wichtig, dafür zu sorgen, dass unsere Hilfsprojekte, die so konkret vielen Kindern Haitis helfen, weiter laufen, weiter arbeiten können. 

Wir tun unser Möglichstes dafür und danken Ihnen für Ihre treue Unterstützung, die uns dies möglich macht.

Bitte unterstützen Sie uns weiter, damit trotz der so widrigen Umstände haitianische Kinder und Jugendliche eine Chance auf ein besseres Leben bekommen.

Wir wünschen Haiti für das bald beginnende Jahr Frieden, der gebeutelten Bevölkerung Durchhaltekraft und unverzagte Hoffnung auf bessere Zeiten, den Eliten und politischen Machthabern den Mut zur Änderung.

Und Ihnen, liebe Mitglieder, Unterstützer, Freunde der Haiti Kinder Hilfe alles Gute zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr!

Claire Höfer       Monika Hofmann     Alois Vogg

 

Rundbrief Sommer 2019

Liebe Freunde der Haiti Kinder Hilfe,  

Dieses Jahr bekommen Sie den ersten Rundbrief sehr spät: mitten im Sommer!  Das hat verschiedene Gründe, unter anderem solche, die mit der Entwicklung unserer Projekte in Haiti zu tun haben. Es hat sich viel getan seit dem letzten Rundbrief!

Nach unserer Rückkehr aus Haiti im Februar gab es sehr viel innerhalb des Vorstands zu besprechen, zu bearbeiten und zu entscheiden. Auch mit unserem Team in Haiti mussten wir viel organisieren. Wir sind um die modernen Kommunikationsmittel sehr dankbar, die uns ermöglichen, so gut und zeitnah mit allen möglichen Personen in Haiti in Kontakt zu sein, so dass eine gute Arbeit möglich ist.

Wie im vergangenen Jahr sind viele unserer jungen Leute im Laufe der letzten 12 Monate flügge geworden – mehrere in der ersten Hälfte von 2019. Alle mit einer fertigen Berufsausbildung, die meisten entweder mit einer festen Stelle versehen oder mit einem kleinen selbständigen Business. Es sind  schöne Erfolge, über die wir uns freuen und auf die wir stolz sind.

Während unserer diesjährigen Reise haben wir vieles getan, um vorzubereiten, was nach diesen Jugendlichen  kommen soll. Alle jungen Frauen im Mädchenheim stehen ab dem Sommer 2019 auf eigenen Füßen, so dass für dieses Haus eine neue Nutzung festgelegt werden musste.

Im Jungenheim wohnen noch 9 Jungs zwischen 17 und 24, die uns auf jeden Fall noch eine Weile brauchen. Drei davon stecken gerade voll im Abitur.

Wir haben eine Lösung gefunden, die uns begeistert und hoffentlich bei unseren Mitgliedern und Unterstützern Zuspruch finden wird: Unser Mädchenheim wird ab Anfang Juli ein Heim für Straßenkinder sein und ca. 25 dieser Ärmsten der Armen unter den Kindern Haitis beherbergen können. Vielleicht haben Sie den diesjährigen Film auf unserer Webseite angeschaut, dann haben Sie in dem letzten Abschnitt Schwester Paésie „kennengelernt“. Sie wird dieses neue Heim in dem Haus unseres bisherigen Mädchenheims leiten.

Neben mehreren anderen Projekten für Slumkinder betreibt diese tatkräftige französische Nonne in einem kleinen  Häuschen in Cité Soleil, dem größten Slum von Port-au-Prince, ein Heim für Straßenkinder. Das Häuschen in Cité Soleil beherbergte 13 Kinder und platzte aus allen Nähten und es war bisher unmöglich, weitere Kinder aufzunehmen, obwohl der Bedarf sehr groß ist.

Alle diese Kinder haben auf der Straße gelebt, ohne festen Schlafplatz. Sie bettelten oder versuchten irgendwie an Essen zu kommen. Alle haben Schlimmes erlebt. Meistens brachte dann jemand sie zu Schwester Paésie. Sie haben uns ihre Geschichte erzählt und mancher brach in Tränen aus, als er uns erzählte, dass er da bleiben durfte. So überwältigend ist für diese kleinen Kinder (manche sind erst 6 Jahre alt) die Erfahrung, ein Zuhause zu haben.

Am ersten Juli war die Übergabe und am zweiten sind die ersten 19 Jungs eingezogen. Nach ein paar Tagen kamen noch sechs dazu, alle Vollwaisen, alle bisher ohne feste Bleibe und auf der Straße lebend.

Die HKH hatte noch alle Betten der zwei Wohngemeinschaften und alle Betten der Mädchen, so dass jeder ein Bett vorgefunden hat —eine vollkommen ungekannte Erfahrung für diese Kinder, die, wenn sie Glück hatten, ein Stück Karton erwischen konnten, um sich nachts auf dem Bürgersteig drauf zu legen. Francis, unser französischer Volontär, beschrieb uns ihre Freude als sie ihr neues Heim erkundeten. Sie nennen es im Moment „das große Haus“.

Nicole, die letzte Bewohnerin des Mädchenheims, die gerade Abitur macht, ist 23 Jahre alt (wie die meisten „unserer“ Kinder ist sie sehr spät eingeschult worden und hat zusätzlich durch das Erdbeben ein Schuljahr verloren). Sie ist vorerst zu ihrer Schwester gezogen, aber für sie wird ein Zimmer gesucht und sie wird als Externe natürlich weiter begleitet und gefördert werden. Sie wird eine Ausbildung machen und dieselbe Hilfe beim Start ins unabhängige Leben bekommen wie alle anderen.

Das Büro der HKH ist vom Mädchenheim ins Heim der Jungs umgezogen. Die Verwandlung des Mädchenheims in ein Heim für Straßenkinder  ist eine große Veränderung und hat einiges an Organisation und viel Arbeit mit unserem Team bedeutet, aber auch viel Freude.

Im großen Waisenheim in Cap-Haitien sind große, neue, sehr schöne Häuser gebaut worden (finanziert von Action5, einem international tätigen Verein). Sie werden nach und nach von Kindergruppen mit ihren Betreuern bezogen. Wir haben alle Erzieher, die die HKH bezahlt, einzeln getroffen. Sie sind nett und  engagiert. Unserer Meinung nach legen sie aber zu viel Wert  auf die schulischen Leistungen. Sie sind mehr mit der Hausaufgabenbetreuung beschäftigt als mit anderem. Dafür sind immer wieder junge Volontärinnen aus Frankreich da, die sich um die Freizeitgestaltung sehr gerne kümmern. Die Schule, die zu dem Waisenheim gehört, nimmt zusätzlich zu den Heimkindern auch  um die 300 Kinder aus den Slums und Armenvierteln auf und ist wirklich gut. Besser als sehr viele Schulen in Haiti. Die Ergebnisse der Staatlichen Prüfungen fallen entsprechend positiv aus. Die Schüler, die nach der 9. Klasse ins Gymnasium geschickt werden, haben keine Probleme zurecht zu kommen und sind recht erfolgreich. Das ist in Haiti nicht selbstverständlich. Viele Schulen für arme Kinder sind sehr schlecht und bereiten die Kinder nicht gut auf weiterführende Schulen vor.

Zum Waisenheim gehört ein großer Garten, der von 2 Gärtnern bewirtschaftet wird. Das meiste Obst und Gemüse, das die Kinder bekommen, stammt aus diesem Garten. Auch Schweine und Hühner sind da.

 

 

 

 

 

 

Das Heim in Cap-Haitien, in dem Schwester Godelieve arbeitete, ist Ende Juni geschlossen worden. Die Stiftung, die es hauptsächlich finanzierte, will keine Angestellten mehr in Haiti haben: zu gefährlich ist das leben dort geworden —vor allem für Weiße— und dies auch in Cap-Haitien. Das ist eine neue Entwicklung, denn bisher war fast nur die Hauptstadt betroffen.

Die HKH hat sehr geholfen, die guten Lösungen, die Marie-Catherine und Schwester Godelieve für die Kinder gefunden oder ausgearbeitet hatten, in die Tat umzusetzen, so dass beide zwar mir schmerzendem Herzen aber beruhigt gehen konnten. Beide werden erst einmal in Europa bleiben und wissen nicht, ob sie wieder nach Haiti gehen. Das letzte Jahr war sehr schwierig für sie und trotz der zwei bewaffneten Wächter, die sie angestellt hatten, wussten sie sich immer wieder in Lebensgefahr.

In Cap-Haitien ist auch Hervé, der in den Heimen der HKH aufgewachsen ist und Medizin studiert hat. Er ist nun seit einigen Jahren fertig und hat sich stetig ehrenamtlich in der Behandlung von benachteiligten Menschen engagiert.  Mit der Ausbildung von Krankenschwestern hat er nur sehr wenig verdient und hat es schwer gehabt, sich und seine Familie:  Frau und  Tochter zu ernähren.

Seine Kompetenz, seine Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft, seine Arbeit in der Aus- und Fortbildung von Krankenschwestern wurden sehr geschätzt. Dadurch hat er jetzt eine große Chance bekommen: die beste Privatuniversität von Cap-Haitien hat ihn als Leiter einer neuen kleinen Fakultät für Labormedizin angestellt. Er hat jetzt sein Auskommen, auch wenn es Monate gibt, in denen der Lohn nicht oder verspätet bei ihm ankommt. Das ist in Haiti in diesem Bereich leider oft der Fall. Er baut außerdem Räume für seine Private Praxis mit einer Summe, die ein deutscher Arzt, der ihn durch die HKH kannte, ihm dafür vererbt hat. Da will er auch arme Leute umsonst behandeln.

Die „Externen“ gedeihen sehr gut. Es sind Kinder, die bei ihren Eltern oder Verwandten leben – und bei den älteren manchmal zusammen mit gleichaltrigen in einer Art WG – denen die Haiti Kinder Hilfe Schule oder Ausbildung  bezahlt und denen sie manchmal auch Lebensmittel bringen lässt. Die zwei jüngsten kommen im September auf die „große Schule“ in die erste Klasse. Ein 10-jähriger, der gerade die vierte Klasse beendet hat und im September mit der fünften anfängt, ist seit er in die Schule kam Klassenbester.

Von den „Großen“ hat gerade ein Mädchen ihr Studium der Verwaltungswissenschaften beendet, eine andere fängt ein Informatikstudium an. Manche stehen kurz vor dem Abitur.

Die von der Taubertäler Hilfsgemeinschaft gebaute und stetig unterstützte Schule Luzia Academy hat ein neues Gebäude bekommen in dem die neu eröffneten Klassen untergebracht sind. Zwischen dem ersten und diesem neuen Gebäude ist der Pausenhof überdacht, damit die Kinder im Schatten spielen können.

Heuer hat die Schule ein 8. Schuljahr eröffnet und hofft nächstes Jahr das 9. eröffnen zu können. Der Computerraum ist jetzt gut bestückt und viel gebraucht.

Die Haiti Kinder Hilfe bezahlt die Lehrer und hat außerdem seit letzten Sommer eine neue Methode für den Mathematikunterricht eingeführt: die Singapur-Methode. Während der Sommerferien haben wir für die Lehrer eine Reihe Fortbildungskurse organisiert.

Im Rahmen von Healing Hands for Haiti, einer amerikanischen Organisation, die eine gute Orthopädische Klinik in Port-au-Prince hat, verhilft seit 2018 die HKH Kindern und Jugendlichen aus armen Familien zu Prothesen, Orthesen oder orthopädischen Behandlungen. Viele Familien können in Haiti ihren Kindern keine medizinische Behandlung bezahlen. Ein Kind, das z.B. einen Klumpfuß hat, ist dann fürs Leben behindert, obwohl es gute wirksame Behandlungsmethoden gäbe.

Wir haben Anfang des Jahres die Kinder und Jugendlichen gesehen, für die wir 2018 die  Kosten übernommen hatten. Das war ein schönes Erlebnis. Nur ein Mädchen konnte noch nicht behandelt werden, weil ihr Fall so kompliziert ist, dass man auf den geeigneten amerikanischen Chirurgen wartet. Allen anderen geht es sehr gut.

Healing Hands hat uns 2019 eine ganze Reihe „neuer“ Kinder vorgestellt und wir haben zugestimmt: die HKH wird ihre Behandlung oder ihre Prothese bezahlen.

Healing Hands beschäftigt eine Sozialarbeiterin, die sehr sorgfältig die Familienverhältnisse überprüft und uns nur diejenigen vorstellt, die sonst keine Chance hätten.

 

 

 

 

 

 

 

Dem Land Haiti geht es im Moment schlecht.

Seit November 2018 gibt es immer wieder Zeiten, in denen in den Städten—vor allem natürlich in der Hauptstadt— niemand sich auf die Straßen traut. Es ist lebensgefährlich. Schulen, Geschäfte, Ämter, Kirchen, Märkte… alles ist geschlossen. Blutige Demonstrationen finden statt, es wird geschossen. Das ist eine Reaktion auf die Korruption, auf  ungeheuerliche Skandale, in denen Politiker verschiedener Regierungen über Jahre insgesamt Milliarden, die dem Volk hätten zugutekommen sollen, entwendet haben. Das Leben wird immer teurer, die Haitianische Währung, die Gourde, ist immer weniger wert. Das Volk ist verzweifelt und sieht keinen anderen Ausweg als die Revolte. Die Gewaltbereitschaft ist groß. Viele Menschen haben nichts mehr zu verlieren.

Man könnte verzweifeln, aber dennoch gibt es Grund zur Freude und zur Hoffnung. Und Grund zur Dankbarkeit Ihnen gegenüber, liebe Unterstützer der Haiti Kinder Hilfe.

 

Zum Beispiel:

  • wenn ein junger Mann aus unserem Heim, der Schneider gelernt hat, mit viel Freude eigene Kreationen entwirft und noch bevor er die Endprüfung seiner Ausbildung absolviert hat, fast genug Kunden hat, um sein Auskommen zu haben,

  • wenn eine im Heim aufgewachsene junge Frau Obstkuchen und Marmelade kocht, sie auf einem kleinen Straßen-Stand aber auch in verschiedenen Restaurants und Hotels verkauft und davon leben kann,
  • wenn kleine Jungs noch nach Tagen kaum glauben können, dass sie ein Dach überm Kopf, ein eigenes Bett, jeden Tag genug zu essen haben und sogar zur Schule gehen dürfen,

 

wenn Jugendliche Abitur machen und sich eine Ausbildung aussuchen können, die ihren Begabungen entspricht,

  • wenn ein kleines Mädchen, das wegen einer angeborenen Verformung des Knies bald nicht mehr laufen könnte und ihr Leben lang gehbehindert sein würde, operiert wird und danach ein Jahr lang Krankengymnastik hat, so dass sie ganz normal wird laufen, springen, tanzen können,
  • wenn Kinder spielerisch und mit viel Freude zählen und rechnen lernen,

wenn Kinder, die keine Eltern mehr haben und im Heim leben, gute Betreuer und Erzieher haben, zu denen sie eine enge Beziehung aufbauen können und die für sie wichtige Vorbilder sein können……..

 

 

 

 

 

Bitte unterstützen Sie uns weiter, damit trotz der so widrigen Umstände haitianische Kinder und Jugendliche eine Chance bekommen auf ein besseres Leben .

Auf unserer Homepage können Sie den diesjährigen Film sehen, der all das in diesem Rundbrief Erwähnte mit vielen lebendigen aktuellen Bildern zeigt.

Mit herzlichen Grüßen 

Für den Vorstand 

Claire Höfer,   Monika Hofmann,   Alois Vogg