Bericht in den Aichacher Nachrichten am 11.02.2014

– Aichach-Friedberg Einen Euro im Monat kann Kilian gut von seinem Taschengeld abgeben. “Das geht locker”, sagt der Neunjährige. Auch seine Klassenkameraden aus der 5 b am Aichacher Deutschherren-Gymnasium sehen das so. Jeder von ihnen spendet künftig einen Euro im Monat, hat die Klasse beschlossen. Damit finanziert sie eine Patenschaft für ein Kind in Haiti. Auch die übrigen vier fünften Klassen wollen in den nächsten Jahren je ein Kind in dem karibischen Inselstaat unterstützen. Dass sie etwas tun wollen, war für die Kinder nach einem Besuch der Haiti-Kinder-Hilfe an der Schule schnell klar. Der Klingener Alois Vogg, der Schatzmeister des Vereins, und Frank Höfer hatten von den Lebensbedingungen in dem karibischen Inselstaat erzählt. Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Schon seit 1982 versucht die Haiti-Kinder-Hilfe deshalb, dort zu helfen. Sie unterstützt Schulen für Kinder, die sonst kaum die Möglichkeit hätten, die Schule zu besuchen. Dort bekommen sie auch eine warme Mahlzeit – oft die einzige des Tages. Der Verein betreibt auch zwei Heime und unterstützt junge Menschen beim Besuch von weiterführenden Schulen, beim Studium oder einer Ausbildung. Das schwere Erdbeben im Januar 2010 hat die Not zusätzlich verschärft. Ihre Patenkinder suchen sie sich selbst aus Der Vortrag hat bei den Kindern Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel bei dem zehnjährigen Julian aus der 5 a: “Mich hat besonders berührt, dass die in so Hütten leben.” Katharina, ebenfalls zehn Jahre alt, fand schlimm, “dass die so mager sind”. Ihre Klasse, die 5 b, unterstützt künftig Claudy Jean-Paul. Den 15-Jährigen haben sie sich selbst ausgesucht. Die 5 a wird Pate von James Romelus, 14 Jahre alt. Das Patenkind der 5 c ist der 15-jährige Dieune Faustin, das der 5 d heißt Weed-love Lizaire und die 5 e sammelt Geld für Sheelove Louisius. Diese fünf wollen die Aichacher Schüler über die nächsten Jahre hinweg begleiten. Alois Vogg ist vom Engagement der Schüler begeistert. Solche Patenschaften gibt es bereits seit Jahren an der Grundschule Eurasburg und an den Gymnasien in Gröbenzell bei München und Schrobenhausen. Lehrerin Birgit Hüllen bringt die Idee an die Schule mit aus der Lenbachstadt Schrobenhausen, von dort kennt sie die Haiti Kinder Hilfe. An ihrer neuen Schule, dem DHG, hat sie den Kontakt zur Haiti Kinder Hilfe hergestellt und die Patenschaften initiiert. Besonders gut findet sie, dass es bei der Haiti-Kinder-Hilfe mit Alfons Vogg einen Ansprechpartner gleich in Klingen gibt. “Die Kinder waren sofort von Anfang an mit voller Begeisterung dabei”, sagt sie. Die Aktion erfülle außerdem eine Forderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes: Die Schule soll demnach nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Das tut die Aktion in den Augen von Direktor Gerhard Haunschild vorbildlich. Ihn freut das Engagement der Schüler. “Ich unterstütze das voll und ganz”, sagt er. “Das ist Werteerziehung.” (bac)  

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Kommentar zum Film von Raoul Peck “Haiti – Tödliche Hilfe”

Der Film „Haiti – Tödliche Hilfe“, der am 16. April 2013 im deutschen und französischen Fernsehen bei Arte ausgestrahlt wurde, hat uns in tiefes Erstaunen versetzt. Es ist hier einem Haitianer souverän gelungen, Haiti in seiner nun schon zur Gewohnheit gewordenen Rolle des Opfers erneut festzuschreiben, nur daß diesmal nicht die Kolonialherren, sondern die Hilfsorganisationen die Bösen sind. Noch erstaunlicher ist, daß in der auf den Film folgenden Diskussion der Filmemacher, Raoul Peck, ein ehemaliger Kultusminister Haitis, erheblich differenzierter gewirkt hat als sein Film. Aber wie dem auch sei: Wer erlebt hat, mit welchem Engagement und welcher Selbstlosigkeit viele Hilfsorganisationen nach dem Erdbeben von 2010 unmittelbare Hilfe geleistet und auch noch später für Nachhaltigkeit gesorgt haben, hätte etwas mehr erwartet, daß Haiti’s erhemaliger Kultusminister neben der Feststellung vieler  bleibender Probleme und Mißstände auch einfach einmal „Danke“ sagt.  Was stimmt ist, daß das Thema „Haiti und die Hilfsorganisationen“ noch lange Zeit ein in all seiner Komplexität  brisantes Thema bleiben wird. Claire und Frank Höfer

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Haiti – ein chronischer Notfall: Drei Jahre nach dem Erdbeben

NZZ  Samstag, 12. Januar 2013 Ein Messerschleifer in Port-au-Prince inmitten von Trümmern, die noch nicht weggeräumt worden sind. (Bild: DAMON WINTER / Redux / laif) Die Nothilfe für Haiti geht zurück, von Wiederaufbau ist wenig zu sehen, die Wirtschaft stagniert, Armut und Arbeitslosigkeit verharren. Der erhoffte Aufschwung für das katastrophengeplagte Land blieb aus. Peter Gaupp, Port-au-Prince http://www.nzz.ch/aktuell/international/haiti–ein-chronischer-notfall-1.17934734      

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