Wirbelsturm Matthew – Die aktuelle Lage

Sonntag, 16.10.2016

Liebe Mitglieder und Freunde der Haiti Kinder Hilfe e.V.,

nach dem Erdbeben vor sechs Jahren und dem Wirbelsturm Sandy vor drei Jahren überfiel nun eine weitere Naturkatastrophe Haiti. Am 4./5. Oktober 2016 hat der Wirbelsturm Matthew in der Karibik gewütet und ein großes Gebiet im Süd-Westen von dem bitterarmen Land verwüstet. Die Hauptstadt und der Norden wurden nicht so stark getroffen.

Gott sei Dank sind die Heime der Haiti Kinder Hilfe und unsere Wohngemeinschaften für Jugendliche in Port au Prince nicht beschädigt worden, auch haben alle von uns betreuten Kinder und Jugendlichen den Hurrikan Matthew unbeschadet überstanden.

Dasselbe gilt für das Waisenheim in Cap-Haitien.

Allerdings haben Sturm und starke Regenfälle die Gegend erheblich beschädigt, in der die von uns unterstützte Schule „Luzia Academy“ im Armenviertel Carrefour-Aztèque in Port-au-Prince liegt (sie ist auf einem sehr steilen Hügel). Viele Familien mit Kindern haben während des Hurrikans in der Schule Schutz gefunden, darunter ein wenige Tage altes Baby. Man mag sich gar nicht vorstellen, was aus diesen Menschen geworden wäre, wenn sie nicht in die Schule hätten flüchten können. Ihre Unterkünfte wurden einfach weggeschwemmt.

Die HKH hat bereits als Soforthilfe einen größeren Geldbetrag den für die Schule Verantwortlichen geschickt. Damit wird eine Reihe von Hütten, in denen Familien der Schüler wohnen, wieder bewohnbar hergerichtet und repariert. Wir haben bereits die Rückmeldung, dass mit der Reparatur einer Hütte begonnen wurde, die eine Mutter mit ihren sechs Kindern bewohnt.

Die Katastrophe trifft das Land in einer politisch besonders instabilen Lage. Die für den 9.Oktober 2016 angesetzten Präsidentschaftswahlen sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Die letzten Wahlen waren wegen Wahlmanipulationen annulliert worden, was im ganzen Land zu gewalttätigen Protestaktionen und anarchischen Verhältnissen geführt hat.

Die schlimmsten Zerstörungen und die vielen Todesopfer sind in der Gegend von Les Cayes und Jérémie an der Süd-West-Spitze des Landes zu beklagen.

Wir zitieren unten einige Auszüge aus Meldungen von Bekannten in Haiti. Sie sind vor Ort. Sie beschreiben sowohl die Verwüstungen als auch die Hilfsmaßnahmen; sie schildern ihre Befürchtungen… Wir haben manchmal kursiv und in Klammern ein paar Erklärungen dazu geschrieben.

Leider haben wir keine Fotos. Die Kommunikation mit dem betroffenen Teil des Landes ist sehr schwierig!

Unsere Vorsitzende Claire Höfer wird bei ihrem nächsten Aufenthalt in Haiti wahrscheinlich auch den betroffenen Süden Haiti’s besuchen. Sie wird dort nach Möglichkeiten der konkreten Hilfe suchen, vor allem in ländlichen Gebieten (siehe den letzten Abschnitt unten).

Gerne können Sie helfen, damit wir helfen können. Verwenden Sie bitte für Ihre Spende unser
Konto bei der Sparda Bank München eG, IBAN: DE 62 7009  0500 0001 0221 80
mit dem Kennwort: „Hurrikan“
und vergessen Sie nicht, Ihre Adresse anzugeben, dann erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

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Auch mit dem Kauf unseres neuen Haiti-Kalenders 2017 können Sie helfen.

Bestellen kann man den Kalender:

  • auf der Homepage www.haitikinderhilfe.de
  • oder per E-Mail an christianepropfe@gmx.de
  • oder schriftlich bei Christiane Propfe, Waldweg 8, 38302 Wolfenbüttel
  • und auch telefonisch bei Christiane Propfe: 05331-72979

Wir bedanken uns im Namen der Menschen auf Haiti schon heute ganz herzlich für Ihre Unterstützung.

Haiti Kinder Hilfe e.V.

Für den Vorstand

Claire Höfer                Monika Hofmann              Alois Vogg
Vorsitzende                 stellv. Vorsitzende             stellv. Vorsitzender

 


Berichte von Menschen aus den vom Wirbelsturm Matthew betroffenen Gebieten

„Das Land wurde buchstäblich in zwei Teile zerschnitten, es gibt keine einzige heile Straße von Nord nach Süd.Die Stadt Les Cayes (drittgrößte Stadt des Landes) ist verwüstet und im Schockzustand. Sechs harte Stunden lang und im Dunkeln (von 1 Uhr bis 7 Uhr morgens) wurden die Einwohner von konstanten Stürmen mit 230 km/h durchgeschüttelt. 100 % der mit Blech gedeckten Häuser haben ihre Dächer verloren, einschließlich Kathedrale, Bischofssitz und alle Kirchen (dort sind die Häuser mit Blech gedeckt oder haben Flachdächer aus Beton. Die meisten und vor allem die ärmeren Behausungen haben Blechdächer). Das Stadtzentrum ist mit Meerwasser überflutet. Es gibt weder Trinkwasser noch Strom noch Diesel.
Das Gymnasium Philippe Guerrier bietet 3000 Flüchtlingen Unterkunft. Die Vetiveröl-Fabriken hat es schwer erwischt, ohne dass sie völlig überflutet wurden. Sie müssten in Kürze wieder anfangen zu funktionieren. Allerdings kann das Vetivergras auf einem nassen Boden nicht geerntet werden, man muss warten, bis die Erde trocken ist. (Der Anbau und die Verarbeitung von Vetiver, einem tropischen Süßgras, das in der der Parfümherstellung, Aromatherapie und Naturheilkunde verwendet wird, ist eine der wichtigen Einnahmequellen der Gegend)“

Die Straße, die von Les Cayes nach Jérémie führt, ist auf der Höhe des Flusses Rivière Glace blockiert. Jérémie und die Umgebung wurden schwer beschädigt. Im Dorf Bariadèle zwischen Jérémie und Dame Marie haben die Fluten den Friedhof zerstört und Leichname exhumiert (von denen einige an Cholera gestorben waren). Die Landwirtschaft (Mais, Hirse, Erbsen usw…) des Département Grande Anse ist verwüstet, die Tierzucht ist dezimiert. „

Ein kleines Flugzeug, eine CESSNA der MAF hat Jacmel überflogen und ist zuerst in Les Cayes gelandet, dann in Dame Marie und Jérémie. Die 3 Flughäfen sind brauchbar. Am Freitag ist es Food for the Poor gelungen, einen Hubschrauber zu mieten, damit eine Delegation eine vorläufige Einschätzung der Schäden machen und einen sinnvollen Aktionsplan festlegen kann. Food for the Poor wird in Zusammenarbeit mit Water Missions International drei Solareinheiten zur Wasseraufbereitung stationieren, von denen jede 10.000 Gallonen tägl. produzieren kann, 3 weitere Anlagen werden nach Jérémie geliefert und dort installiert und eine nach Bariadèle
Heute Morgen wurden ungefähr 150 Tonnen Nahrungsmittel geliefert…
Der westliche Teil von La Gonave
wurde total zerstört. Morgen wird ein 20 Fuß-Container mit Nahrungsmitteln geliefert, der zur Kirche Wesleyenne du Pasteur Beauvoir gebracht werden soll.“

Wenn sich humanitäre Hilfe nur auf einige städtische Zentren konzentriert und die Leute in den abgelegenen Gebieten und kleinen Dörfern in Vergessenheit geraten, besteht die Gefahr , dass diese Leute auch Hilfe in den Städten suchen und diese später nicht mehr verlassen werden. Man muss unbedingt eine massive Landflucht vermeiden und den ländlichen Familien, die ihre mageren Einkommensquellen verloren haben, helfen und sie unterstützen.
Die dringendsten Bedürfnisse im Moment sind : Antidurchfallmittel, Antibiotika, Bauteile zur Wasserversorgung, Vitamine, Proteine, Zeltplanen.
Die Cholera richtet verheerende Schäden an. Seit 2010 hat die Epidemie fast 10 000 Todesfälle verursacht und – schon vor dem Durchzug von Matthew – befand sich das Land mit 500 Fällen jede Woche in der schlimmsten Epidemie der jüngeren Geschichte auf der Weltliste.
Es gibt auch Befürchtungen des medizinischen Personals, dass die Obdachlosen Lungenentzündungen oder andere Lungenerkrankungen bekommen, da ja die Regenzeit noch nicht zu Ende ist. „